Deutschland geht der Fisch aus

Wir essen zu viel Fisch! Allein in Deutschland werden mehr Fische und Meeresfrüchte verzehrt, als in heimischen Gewässern gefangen werden. Am 29. April war deutscher „Fish-Dependence-Day“: Ab dem Tag hat Deutschland rechnerisch den Fisch aus eigener Fischerei aufgebraucht und muss auf Importe setzen. 87 Prozent des verzehrten Fisches werden eingeführt.

Überfischung bedroht Ernährungsgrundlagen

Deutschland geht der Fisch aus - Fishing for spring spawning herring (Clupea harengus), Moere coastline, Norway, February 2009
Deutschland geht der Fisch aus

„Deutschland kann sich nur vier Monate lang selbst mit Fisch versorgen, für den Rest des Jahres essen wir importierten Fisch, der oft anderswo fehlt. Die Überfischung der europäischen Bestände ist dafür mitverantwortlich“, erläutert Stella Nemecky, Fischereiexpertin des WWF. Fast die Hälfte der Fischbestände in EU-Gewässern gilt als überfischt.

„Angesichts der Überfischung in eigenen Gewässern ist der große Appetit der Europäer auf Fisch weder nachhaltig noch fair. Mit der hiesigen Nachfrage steigt der Fischereidruck in anderen Teilen der Welt. Wir exportieren Überfischung und beeinflussen damit auch das Leben von Menschen, die stärker von Fisch abhängig sind als wir.“

Wie lange kommt noch Fisch auf den Tisch?

Laut einer WWF-Prognose werden sich Millionen Menschen im globalen Süden ihr Grundnahrungsmittel Fisch im Jahr 2050 nicht mehr leisten können – sie werden ihn exportieren statt ihn essen. Der WWF fordert Verbraucher daher auf, Fisch als Delikatesse und nicht als alltägliches Konsumgut zu betrachten und sich beim Kauf für nachhaltige Produkte nach Empfehlung des WWF Fischratgebers zu entscheiden.

Schnelle Regeneration durch nachhaltigen Fischfang möglich

Doch auch die Politik ist gefragt, die Überfischung in europäischen Meeren und damit die Importabhängigkeit zu reduzieren. „Europa hat hochproduktive Meere, allerdings müssten wir besser damit umgehen und Fischerei nachhaltig betreiben“, fordert WWF-Expertin Nemecky. Deutschland könnte sich drei Monate länger selbst mit Fisch aus eigener Fischerei versorgen, wenn nur 43 der Fischbestände im Nordost-Atlantik bis zur gesunden Größe wiederaufgebaut und nachhaltig bewirtschaftet würden.

Die Berechnungen zum „Fish-Dependence-Day“ für die EU und ihre Mitgliedsstaaten werden jedes Jahr von der New Economics Foundation (NEF) errechnet. (Quelle: WWF)