Ökostrom – alles eine Sache des Preises?

Mit LEDs geht Green Chefs ein Licht auf. Doch auch für die energiesparendste Birne braucht es Strom. Wir haben unseren Energieexperten Heiko Viereck gefragt, ob bei Ökostrom tatsächlich alles eine Sache des Preises ist.

Ist Ökostrom teurer als konventioneller Strom?

Ökostrom – alles eine Sache des Preises
Mit Ökostrom betriebenen LEDs geht Green Chefs ein Licht auf

In Deutschland wird Strom an der Börse gehandelt. Es ist ein Warentermingeschäft, bei dem ich heute einen Preis fixiere, indem ich die Ware bestelle, auch wenn diese erst in einem oder sogar erst in 48 Monaten geliefert wird. An der Börse wird nur ein Stromprodukt gehandelt – es wird nicht nach Öko- oder konventionellem Strom unterschieden. Das bedeutet, dass der Preis für Strom im Einkauf derselbe ist. Aus diesem Grund kaufen wir unseren Strom nicht an der Börse, sondern direkt beim Kraftwerk. So können wir gegenüber unseren Kunden ein reines Produkt gewährleisten.

Mehrkosten entstehen lediglich durch die Nachweisprüfung durch den TÜV Süd, der für unsere Kunden als unabhängiger Sachverständiger prüft, ob wir auch wirklich Ökostrom eingekauft und geliefert haben.

Um den Einkaufsnachteil wieder wettzumachen, halten wir die Abwicklungswege intern möglichst kurz. Und weil wir so fix sind, können wir den LichtBlick Strom manchmal sogar günstiger anbieten als der örtliche Versorger.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

strompreis
Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Wer schon mal einen genaueren Blick auf seine Stromrechnung geworfen hat, weiß, welches Zahlenchaos einem dabei entgegenspringt. Der Strompreis setzt sich aktuell aus vierzehn Einzelpositionen zusammen. Grob unterteilen wir diese in drei Gruppen: Einkauf und Lieferung, Netznutzung sowie Steuern und Abgaben. Mit den Jahren sind es immer mehr Abgaben geworden, sodass heute die reinen Kosten für den Strom im Gesamtpreis nur noch ein Fünftel ausmachen. Bei LichtBlick liegt der Anteil für den Einkauf des Stroms und die Abwicklung in unserem Haus sogar bei unter 20 Prozent. Mit den restlichen 80 Prozent des Gesamtpreises wird die Netznutzung finanziert und Steuern sowie weitere Abgaben müssen davon gezahlt werden.

Was bedeutet dieses für Vertragsverhandlungen?

Vertragsverhandlungen sind für mich und meine Kollegen immer wieder eine Herausforderung. Eine Senkung des Strompreises um beispielsweise 10 Prozent wäre für uns aufgrund der Zusammenstellung des Strompreises schlichtweg nicht möglich.

Das lässt sich mit folgendem Praxisbeispiel erklären: Wenn der Strom 25 ct/kWh kostet, gehen davon bereits 80 Prozent – also 20 ct/kWh – für die Netznutzung, Steuern und andere Abgaben drauf. Diese Positionen sind nicht verhandelbar. Wenn der Kunde den Strompreis nun um 10 Prozent senken möchte, also 2,5 ct/kWh sparen will, können wir nur an den verbleibenden 20 Prozent kürzen. Das sind für uns 50 Prozent vom Gesamtumsatz. Mit einem so hohen Verzicht könnten wir selbst als Unternehmen nicht seriös wirtschaften.

An diesem Rechenbeispiel zeigt sich auch schön, warum man als Gewerbetreibender bei Dumpingangeboten – auch oder gerade beim Thema Strom – besonders kritisch sein sollte. Denn hinter zu niedrigen Preisen steckt oftmals kein sinnhaftes und nachhaltiges Wirtschaften – und das nützt keinem Geschäftspartner.

Warum lohnt es sich Ökostrom zu beziehen?

Die Antwort ist leicht: Unsere Ressourcen sind endlich, das heißt, irgendwann ist Schluss mit Öl, Gas und Kohle.

Wir können das Öl verbrennen, daraus Plastik herstellen oder Teerstraßen bauen. Gas und Kohle können wir verbrennen, um damit Wärme und Strom zu generieren. Das funktioniert eine Zeit lang, aber eben nicht auf Dauer. Zudem hat die Verbrennung von Öl und Kohle ja auch Nebenprodukte wie Abgase zur Folge, die die Umwelt und das Ökosystem belasten.

Daher müssen wir uns frühzeitig Gedanken über Alternativen machen, um Energie anderweitig zu gewinnen. Gastronomen und Hoteliers, die auf Ökostrom setzen, übernehmen Verantwortung und setzen ein klares Zeichen. Darüber hinaus verbrauchen gastronomische Betriebe im Schnitt 70-mal mehr Strom als ein Privathaushalt. Damit ist ihr Anteil an einer sauberen Umwelt um ein Vielfaches größer. Gastronomen nehmen mit ihrer Entscheidung also eine Vorbildfunktion gegenüber ihren Gästen ein. Höchste Zeit, ihnen beim nächsten Besuch davon zu erzählen!

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