Warum Kühe Hörner tragen sollten

Warum Kühe Hörner tragen sollten

Der Anblick einer behornten Kuh ist zur Seltenheit geworden. Durchschnittlich 80 Prozent aller Kühe werden in den ersten Lebenswochen unter Betäubung die Hörner sowie die Anlagen dafür entfernt. Das hat erstmal einen ganz praktischen Nutzen, da so das Verletzungsrisiko der Kühe, die in konventioneller Haltung mit vielen Tieren auf engem Raum stehen, verringert werden kann.

Fraglich ist nun, ob die Enthornung der Tiere auch einen Einfluss auf die Kuh, ihre Milch und ihr Fleisch hat. Dazu gibt es so gut wie keine wissenschaftlich belegbaren Studien und trotzdem sind Demeter-Landwirte davon überzeugt, dass sowohl die Lebens- als auch die Produktqualität darunter leide, wenn den Kühen die Hörner entfernt werden.

Der Demeter-Verband ist der einzige deutsche Öko-Verband, der das Enthornen der Kühe untersagt. Die Gründe dafür haben wir uns näher angesehen.

Für Kühe sind Hörner ein Status-Symbol

In industriellen Betrieben werden die Tiere enthornt, damit sie enger stehen können und sich nicht in den Gittern des Melkstandes verhaken.

Für Kühe sind Hörner ein Status-SymbolFür Kühe sind Hörner ein Status-Symbol
Für Kühe sind Hörner ein Status-Symbol

Allerdings lässt sich eine erhöhte Aggressivität der Kühe beobachten, wenn sie in Ermangelung ihrer Hörner innerhalb der Herde keine Rangordnungskämpfe austragen können. Bei diesen Kämpfen versuchen zwei Rivalinnen sich Kopf an Kopf wegzuschieben. Die stärkere nimmt einen höheren Rang in der Herde ein. Ohne die Hörner als Mittel zur fairen Auseinandersetzung kommt es zur Instabilität im Herdenverband.

Auch für die Körpersprache fehlt ohne Hörner ein wichtiges Sprachinstrument. Die Folge sind Missverständnisse untereinander.

Jedes Horn ist einzigartig wie ein Fingerabdruck. Die Anzahl der Kälbchen lässt sich daran ablesen, denn mit jeder Schwangerschaft bilden die Hörner der Mutterkuh einen Hornring aus. Auch die Art der Fütterung, klimatische Einflüsse oder Erkrankungen haben Einfluss auf das Hornwachstum.

Das Horn als Verdauungsorgan

Das Horn der Kuh - Quelle HornkuhAbseits von diesen Äußerlichkeiten dienen die Hörner als Stoffwechselorgan der Verdauung. Die Nasennebenhöhlen der Kuh reichen bis in die Hörner hinein. Beim Wiederkäuen gelangen die Verdauungsgase bis in die Hornspitzen. Über die Schleimhäute der Nebenhöhlen kann die Kuh auswerten, welche Verhältnisse im Pansen herrschen und ob die Futterqualität stimmt. Fehlen der Kuh die Hörner, ist ihre  Wahrnehmung der Verdauung eingeschränkt, sodass ihr die Beurteilung schwerer fällt.

Der Rückschluss liegt nahe, dass die Qualität der Milch und des Fleisches darunter leidet. Die Milch hörnertragender Kühe soll besser schmecken und Käse leichter gelingen, heißt es. Außerdem sei sie weniger reich an Allergenen und damit verträglicher. Wissenschaftliche nachweisbar ist das nicht – aber nachvollziehbar.

Ohne Hörner fehlt der Kuh ein Sinnesorgan

Entgegen der Annahme, dass das Horn ähnlich wie das menschliche Haar schmerzunempfindlich ist, ist es mit Blut- und Nervenbahnen durchzogen. Kühe können also über ihre Hörner Berührungen, Temperatur und andere Sinneseindrücke wahrnehmen.

In heißen Klimazonen dienen die Hörner auch als eine Art Klimaanlage. Die Wärme der Atemluft, die auch durch die stark durchbluteten Hörner fließt, wird über die große Hornoberfläche abgegeben. Je heißer die Umgebung, desto größer die Hörner und desto mehr Wärme wird über sie abgegeben. Logisch oder?

Je karger das Land, desto größer das Horn

Je karger das Land, desto größer das Horn
Je karger das Land, desto größer das Horn

Die Lebensumstände der Kühe haben also einen großen Einfluss auf die Hornausbildung. Auch das Futterangebot spielt für die Horngröße eine Rolle. Leben die Kühe in Gebieten mit leicht zugänglicher, starker Vegetation wie an der Nordsee, bilden die Tiere kleinere Hörner aus. Je karger und unwirtlicher das Land, desto mehr müssen die Tiere mit ihrer Nahrung haushalten und desto größer werden die Hörner. Anders herum bleiben sie relativ klein, wenn die Vegetation an leicht verdaulichem Futter reichlich und gut zugänglich ist.

Es lässt sich sogar beobachten, dass veränderte Lebensumstände eine Anpassung der Hörner innerhalb weniger Generationen zur Folge hat: Eine ägyptische Rinderfarm importierte vor einigen Jahren deutsche Rinder mit naturgemäß kleinen Hörnern. Bereits die nächste Generation bildete deutlich größere Hörner aus als die Muttertiere. Dies ist der Art der Fütterung und den klimatischen Bedingungen zuzuschreiben.

Was passiert nun, wenn Tiere, die in der Steppe leben, enthornt werden? Der Tierarzt Joseph Werr* konnte bereits 1930 beobachten, dass es keine gesundheitlichen Folgen nach sich zieht, solange die Tiere gut mit Futter versorgt werden. Ist dieser Umstand allerdings nicht gegeben, sind die Kühe deutlich krankheitsanfälliger.

Klares Nein zur Enthornung

Immer mehr Landwirte befassen sich mit der Thematik der Horn tragenden Kühe und erkennen die Vorteile, auf die Enthornung zu verzichten. Kühe mit Hörnern werden wieder vermehrt gezüchtet und ihre Milch sowie ihr Fleisch vertrieben. Diese Landwirte verdienen sich die damit das Demeter-Siegel. Der Verein hält sich hierbei sehr streng an die eigenen Richtlinien. Ausschließlich Milch- und Fleischprodukte von behornten Kühen dürfen mit dem Demeter-Zeichen vertrieben werden.

Weitere Informationen findet ihr unter www.hornkuh.de 

Link zur Biografie von Joseph Werr

Regionale Spezialität: Das Waldviertler Blondvieh

Waldviertler Blondvieh schippert auf der Arche des Geschmacks

Einer der bekanntesten „Fans“ des Waldviertler Blondviehs, das heute fast ausschließlich in Niederösterreich, Oberösterreich, in Vorarlberg und der Steiermark gezüchtet wird, war Kaiser Franz-Josef. Für seine Gäste ließ er ausschließlich Tafelspitz mit dem Fleisch des Waldviertler Blondvieh-Ochsen zubereiten.

Eine Seltenheit auf der Speisekarte

Gustostückerl vom Waldviertler Blondvieh, zubereitet mit Einkorngrießknödel, Heujus und Bio-Krautvielfalt
Gustostückerl vom Waldviertler Blondvieh, zubereitet mit Einkorngrießknödel, Heujus und Bio-Krautvielfalt (Foto: Claus Kadrnoschka)

Klaus Hölzl vom Restaurant Auszeit in Gastern hat die seltene Rinderrasse für seine Karte wiederentdeckt. Er serviert zum zarten, feinfaserigen Rindfleisch Einkorngriesknödel und Bio-Kraut. Eine würzige Heujus rundet das Gericht ab.

Da Klaus großen Wert auf regionale Lieferanten aus der direkten Umgebung legt – eben typisch Green Chefs – bezieht er diese regionale Spezialität von Kurt Apeltauer & Katharina Haumer vom Meierhof aus Peigarten. Der Demeter-Betrieb bietet neben Gemüse und Urgetreide eben auch das Waldviertel Rindvieh an und ist vom Restaurant keine vier Kilometer entfernt.

Groß gewachsen ist das Waldviertler Blondvieh nicht, dafür liefert dieses Zweinutzungsrind sowohl Fleisch und Milch in exzellenter Qualität. Kenner schätzen vor allem das durchweg enge Fett-Eiweiß-Verhältnis des Fleisches und den gehaltvollen Geschmack – selbst in ungewürztem Zustand. Da das Rind vergleichsweise langsam heranwächst, ist sein Fleisch schön marmoriert, dadurch besonders zart und dennoch feinfaserig.

Waldviertler Blondvieh schippert auf der Arche des Geschmacks

Das Waldviertler Blondvieh ist eine Kreuzung aus dem illyrisch-keltischen Rind und dem Ungarischen Steppenrind. Die Rinderrasse ist ausnehmend genügsam, wetterhart und dadurch futtermäßig sowie klimatisch bestens an die Bedingungen  im Waldviertel angepasst. Damit ist das Waldviertler Blondvieh prädestiniert für die Freilandhaltung und die biologische LandwirtschaftSeinen Namen trägt es übrigens aufgrund der fast weißen Fellfarbe.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts erfreute sich die Rinderrasse großer Beliebtheit. In den 60er Jahren ging dann der Bestand des Waldviertler Blondviehs rasant zurück, da zur Produktionssteigerung lieber auf Fleckvieh gesetzt wurde. 1982 besann man sich eines Besseren und begann mit der Nachzüchtung der Waldviertler Blondvieh Rasse – aus den übriggebliebenen 23 Kühen und 3 Stieren. Heute sind die Tiere wieder in Niederösterreich, Oberösterreich, in Vorarlberg und der Steiermark heimisch und fast ausschließlich hier erhältlich.

Vor allem zu Festlichkeiten wird in diesen Regionen das Fleisch des Waldviertler Blondviehs zu Tafelspitz mit Semmelkren, Kesselgulasch, Zwiebelrostbraten oder traditionellem Kalbsschnitzel zubereitet.