Kunstfleisch als Lösung für die Massentierhaltung?

Kunstfleisch als Alternative zur Massentierhaltung - Pixabay

Ersetzt Kunstfleisch aus dem Labor in Zukunft die Massentierhaltung? Das israelische Start-Up Supermeat hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Fleisch im Labor züchten lässt. Damit soll der Hunger der wachsenden Weltbevölkerung gestillt und der Anteil an Fleisch aus Massentierhaltung reduziert werden. Experten glauben an diese Zukunft. 

Ist Labor-Fleisch die Zukunft?

Kunstfleisch als Alternative zur Massentierhaltung - Pixabay

Supermeat plant, in drei Jahren die erste Generation künstlich hergestelltem Geflügelfleisch Restaurants anbieten zu können. Bis zur industriellen Produktion soll es weitere zwei bis fünf Jahre dauern.

Für das Kunstfleisch werden lebenden Tieren Zellen entnommen, die im Labor dann zu Gewebe herangezüchtet werden. Daraus bilden sich Muskelfasern. Also fast wie im Organismus. Geschmacklich soll kein Unterschied zu erkennen sein.

Kunstfleisch: Petrischale statt Maststall

Gegenüber konventioneller Massentierhaltung habe das Kunstfleisch aus dem Labor deutliche Vorteile: Der Ausstoß von Schadstoffen wie Methangasen ließe sich drastisch reduzieren während weniger Land und Wasser für die Viehhaltung benötigt werden.

Auch andere Start-ups wie Modern Meadow aus New York, Memphis Meats aus San Francisco und Unternehmen wie Mosa Meat aus Maastricht glauben an den Erfolg von „In-Vitro“-Fleisch und sehen hierbei großes Marktpotenzial.

Ist Masse statt Klasse wirklich die Lösung?

Doch viel wichtiger ist, ob die Verbraucher überhaupt bereit sind, für das Zuchtfleisch aus der Petrischale zu zahlen. Verbraucher? Damit sind nicht nur eure Gäste gemeint, sondern auch ihr als Köche und Gastronomen. Ihr entscheidet, was ihr wo kauft – und diese Wahl hat Einfluss darauf, zu welchen Bedingungen die Waren hergestellt und produziert werden.

Ist der Sache nicht eigentlich mehr gedient, einfach weniger Fleisch und tierische Produkte zu konsumieren? Auf bessere Qualität zu setzen, die eben durch artgerechte Tierhaltung erreicht wird, statt das Angebot an Fleischprodukten weiter in die Höhe zu treiben?

Ihr habt die Wahl!

 

Herkunft wichtiger als Preis

Herkunft wichtiger als Preis

Geht es um den Einkauf guter Lebensmittel, wissen Green Chefs längst, dass es nicht auf den Preis, sondern die Qualität ankommt. Dafür ist insbesondere die Herkunft entscheidend. Auch die Gäste wollen vermehrt wissen, woher das Obst, Gemüse und Fleisch auf ihrem Teller stammen. Das belegt jetzt eine repräsentative Umfrage von Kantar Emnid.

Gästen ist Herkunft wichtiger als der Preis

Herkunft wichtiger als Preis
Herkunft wichtiger als Preis

Von welchem Hof kommt das Rind für das Steak? Wie haben die Schweine gelebt, aus deren Fleisch Würste und Braten entstehen? Mussten die Hühner eng an eng in kleinen Käfigen hocken oder konnten sie den Auslauf in der Sonne genießen? Wie waren die Gewässer beschaffen, in denen sich die Fische tummelten?

Transparenz schafft Vertrauen

Diese Fragen und noch viele weitere rund um die Herkunft von der Lebensmittel stellen sich nicht nur Gastronomen, sondern auch immer mehr Gäste. Damit diese an die Informationen kommen, gilt es vom Produzenten über den Gastronom bis hin zum Gast schlüssig nachvollziehen aufzuzeigen, woher die Waren stammen.

Seite an Seite mit Köchen und Gastronomen kämpft der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG) für mehr Transparenz.

Zufriedene Gäste sind gut für’s Geschäft

Klar ist, dass es mehr Aufwand und eine bessere Versorgung benötigt, damit Tiere in Würde und unter artgerechten Umständen aufwachsen können. Dieser Mehraufwand macht sich natürlich beim Preis bemerkbar. Für 3 von 4 Gästen ist dieser aber zweitrangig. Lieber essen sie guten Gewissens und zahlen mehr dafür. Die Herkunft der Lebensmittel ist ihnen also wichtiger als der Preis – sofern Gastronomen sie darüber informieren. Das wurde bei einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage von Kantar Emnid herausgefunden.

Allerdings fühlen die Gäste sich oft unzureichend informiert. Das wiederum führt stimmt sie zunehmend unzufrieden. Für mehr Transparenz können Gastronomen bereits auf ihren Speisekarten mit entsprechenden Hinweise wie „Almrind vom Michelheimer Hof in Greinau“ sorgen. Und auch auf ihrer Website können die Produzenten und Lieferanten vorgestellt werden.

Charta soll Tierwohl sichern

GREEN CHEFS: Geflügel-Charta soll Tierwohl sichern

Huhn GREEN CHEFSDie Tierskandale der letzten Jahre haben die Fleisch produzierende und verarbeitende Industrie stark erschüttert. Jetzt verpflichtet sich die deutsche Geflügelfleischwirtschaft zu branchenweiten Vorschriften und Standards.

Charta für mehr Verantwortungsbewusstsein und Transparenz

Verstöße werden zukünftig mit Sanktionen bis hin zum Ausschluss geahndet. Die Geflügel-Charta hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Deutschland soll zukünftig das „beste Geflügelland der Welt“ sein. Auf dem Weg dorthin stehen vor allem die Förderung von Tierwohl und -gesundheit auf der Agenda. Betriebe, die zum Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) gehören, sind ab sofort zu einem „verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika“, sozialen Standards und ehrlicher Verbraucherinformation verpflichtet.

Die Charta repräsentiert rund 95 Prozent der deutschen Hähnchen- und Putenfleischerzeugung, zu denen auch Wiesenhof zählt. Der Geflügelproduzent war in der Vergangenheit vermehrt durch Hygienemängel und Tierquälerei-Vorwürfe aufgefallen.

Um ähnlichen Fällen in Zukunft vorzubeugen, sollen die zugehörigen Betriebe auch unangekündigt kontrolliert werden.

Der Imageschaden, mit dem die Geflügelbranchen seit Jahren zu kämpfen hat, ist enorm und belastet alle Produzenten. Nun kommt es darauf an, die Umsetzung der Charta zügig voranzutreiben.