Die Zukunft serviert mit

Warum Klimaresilienz zur neuen Gastfreundschaft wird

Ein gut geführtes Haus spürt Veränderungen früher als andere. Wenn Gäste an heißen Tagen Schattenplätze suchen, Zimmer nachts nicht mehr abkühlen oder ein Starkregen binnen Minuten die Zufahrt, Terrasse und Lagerflächen lahmlegt, wird aus einer abstrakten Klimadebatte schnell eine ganz praktische Frage: Wie sicher ist unser Betrieb eigentlich für die Zukunft aufgestellt?

Die neue Studie „Stadt. Immobilie. Klima.“ von JLL, dem ExtremWetterKongress und der KlimaManagementTagung zeichnet ein ernstes Bild. Nicht, weil morgen plötzlich alles anders wäre. Sondern weil Hitze, Starkregen und Überflutungen längst keine seltenen Ausnahmen mehr sind – und weil viele Gebäude, Quartiere und Betriebe darauf noch nicht vorbereitet sind. Für Hotels und Restaurants bedeutet das: Klimaresilienz wird zur unternehmerischen Aufgabe. Genauso wie gutes Personal, eine kluge Karte oder ein funktionierendes Zahlenwerk.

Der Gast merkt das Wetter zuerst

Die Studie betrachtet Hotels und Gastronomie nicht als eigene Kategorie. Ihre Erkenntnisse treffen unsere Branche dennoch mitten ins Herz: Dort, wo Menschen arbeiten, übernachten, essen und genießen, werden Temperatur, Luftqualität und Aufenthaltskomfort unmittelbar erlebbar.

Ein überhitzter Gastraum ist kein kleines Ärgernis. Er verändert die Stimmung, verkürzt Verweildauern und macht Mitarbeitenden die Arbeit schwerer. In Hotelzimmern wird aus einer warmen Sommernacht schnell eine schlechte Bewertung. Und wenn Kühlung zur Dauerlösung wird, steigen Energiebedarf und Betriebskosten – mit ihnen die Abhängigkeit von Technik, die selbst unter Extrembedingungen zuverlässig laufen muss.

Die erste Gefahr liegt also im schleichenden Verlust von Qualität. Gastfreundschaft braucht Komfort. Wer seinen Gästen im Sommer keine angenehmen Räume, schattigen Außenflächen und funktionierende Rückzugsorte bieten kann, verliert nicht von heute auf morgen. Aber möglicherweise Stück für Stück: bei der Weiterempfehlung, beim Wiederkommen, beim Preis, den ein Gast künftig bereit ist zu zahlen.

Wenn aus Wetter ein Betriebsrisiko wird

Die zweite Gefahr ist unmittelbarer. Starkregen fragt nicht, ob gerade Service ist. Wasser im Keller kann Lagerbestände, Technik, Wäsche, Kühlhäuser oder die gesamte Infrastruktur treffen. Eine überflutete Zufahrt hält Gäste ab, beschädigte Außenflächen kosten Umsatz – und nach einem Schaden beginnt oft erst die eigentliche Belastung: Abstimmung mit Versicherungen, Handwerkern, Vermietern, Behörden und dem eigenen Team.

Die Studie verweist auf rund 2,6 Millionen Adressen in Deutschland mit hoher Starkregengefährdung. Sie macht zudem deutlich, dass Versicherungsprämien deutlich steigen können; eine Verdopplung bei Wohngebäudeversicherungen innerhalb von zehn Jahren wird als möglich beschrieben. Für gastronomische und hotelgewerbliche Immobilien ist die Richtung klar: Schäden, Versicherbarkeit und Folgekosten werden stärker Teil jeder Standort- und Investitionsentscheidung.

Besonders tückisch ist dabei ein Problem, das viele Pächterinnen und Pächter kennen: Der Betrieb trägt die Folgen, die bauliche Lösung liegt aber häufig beim Eigentümer. Das Gebäude braucht Verschattung, Rückstauschutz, Begrünung, Entsiegelung oder bessere Dämmung. Doch wer investiert? Wer profitiert? Und wer handelt zuerst? Dieses sogenannte Split-Incentive-Problem kann dazu führen, dass alle den Handlungsbedarf sehen – und dennoch nichts passiert.

Für den einzelnen Macher ist das ein Risiko. Für die Branche kann es zur Bremse werden. Denn wenn Häuser nicht zukunftsfähig werden, geraten nicht nur einzelne Betriebe unter Druck. Dann verlieren Innenstädte, Ferienregionen und Quartiere an Aufenthaltsqualität. Und genau dort lebt Gastronomie: von lebendigen Straßen, gut erreichbaren Häusern und Menschen, die gerne draußen und miteinander Zeit verbringen.

Die gute Nachricht: Anpassung schmeckt nach Zukunft

Ist die Zukunft also düsterer als gedacht? Sie wird anspruchsvoller, ganz sicher. Aber sie ist nicht verloren. Die Studie versteht Klimaresilienz ausdrücklich nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Beitrag zu Werterhalt und Wettbewerbsfähigkeit. Das ist die Perspektive, die für unsere Branche zählt.

Es geht nicht darum, jedes Problem mit noch mehr Klimaanlagen wegzukühlen. Im Gegenteil: Passive Lösungen sind oft nachhaltiger, robuster und angenehmer. Verschattung durch Bäume, Markisen oder konstruktive Elemente. Begrünte Höfe, Dächer und Fassaden. Gut gedämmte Räume. Flächen, auf denen Wasser versickern kann, statt sofort in überlastete Kanalisationen zu schießen. Durchdachte Außenbereiche, die im Hochsommer ein Lieblingsplatz bleiben.

Viele dieser Maßnahmen schaffen doppelte Werte: Sie schützen den Betrieb und machen ihn schöner. Ein begrünter Innenhof senkt nicht nur die Hitze, sondern steigert die Aufenthaltsqualität. Eine klug beschattete Terrasse ist Klimaanpassung – und zugleich Umsatzfläche. Ein Regenwasserkonzept schützt Technik und Keller – und reduziert langfristig das Risiko eines kompletten Betriebstopps.

Entscheidend ist, das Thema nicht als ferne Aufgabe der Politik zu behandeln. Wer heute pachtet, umbaut, neu eröffnet oder einen Mietvertrag verlängert, sollte Resilienz mit an den Tisch holen. Wie hitzetauglich sind Küche, Gastraum, Zimmer und Personalbereiche? Wo steht bei Starkregen das Wasser? Welche technischen Räume sind gefährdet? Was ist mit dem Eigentümer verbindlich vereinbart? Und welche Maßnahme bringt den größten Effekt, bevor der erste Schaden eintritt?

Nicht warten, bis es durch die Decke kommt

Die Studie schätzt den Investitionsbedarf für Klimaanpassung in der deutschen Immobilienwirtschaft bis 2035 auf mindestens 237 Milliarden Euro, der überwiegende Teil davon betrifft Bestandsgebäude. Das klingt gewaltig. Und genau deshalb ist Wegschauen die teuerste Variante.

Die gute Gastronomie hat schon immer vorausgedacht. Sie weiß, dass Qualität nicht entsteht, wenn etwas schiefläuft, sondern lange vorher: in der Planung, beim Einkauf, in der Haltung. Klimaresilienz ist nichts anderes. Sie ist die Einladung, den eigenen Betrieb so aufzustellen, dass er auch dann ein guter Ort bleibt, wenn draußen die Bedingungen schwieriger werden.

Der 16. ExtremWetterKongress fand vom 23. bis 25. September 2026 an der HafenCity Universität Hamburg statt. Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis kamen dort zusammen, um über Extremwetter, Anpassung und Risikovorsorge zu sprechen. Für unsere Branche ist das keine Randnotiz. Es ist ein Signal: Aus Wissen muss Umsetzung werden – und aus Sorge eine gute, unternehmerische Entscheidung.