Aufschwung für den Mehrwegbecher

Refill It Pfandbecher, Foto (c) Julia Nagel

Rosenheim tut es, Hamburg auch, und Berlin ist sowieso vorne mit dabei: Hier wird auf Mehrwegbecher für den täglichen Unterwegs-Kaffee gesetzt! Ob „Just Swap It“, „ReCup“ oder „Refill it!“ – hinter allen Namen steckt ein Mehrwegpfandsystem für Kaffeebecher.

Refill It Pfandbecher, Foto (c) Julia Nagel
Pfandbecher von Refill It!
Foto: Julia Nagel (c)

Einweg ist kein Weg!

Ein schneller Kaffee auf die Hand ist der Deutschen liebster Begleiter. Jedoch bringt diese Gewohnheit eine ziemlich fiese Bilanz mit sich: Radikal heruntergerechnet nutzen wir in Deutschland 89 Becher pro Sekunde! Und die sind fast immer Einweg. Es ist aber ja auch einfach praktisch: Kaffee rein, gluck, gluck, und weg damit.
Bloß der Müllberg, der dabei entsteht, ist wirklich nicht so schick. Er zieht einen langen Schwanz energieaufwändiger Prozesse hinter sich her – und blickt bereits auf einen hohen Ressourcen- und Energieaufwand aus der Herstellung zurück.

Mehrwegbecher "Just Swap It!" (c) Boodha Just Wap It
Pfandbecher „Just Swap It.“
(c) Boodha – Just Swap It.

Pfandsysteme für flexiblen Kaffeegenuss

Clevere, flexible Abhilfe bringen oben genannte Mehrwegsysteme; alle drei befinden sich derzeit in einer Pilotphase. Das Prinzip ist bei allen gleich: Ein Verbund von Cafés gibt seinen Coffee To Go gegen Pfand in wiederverwendbaren Bechern heraus. Bis zu 500 Mal kann zum Beispiel der Rosenheimer „ReCup“ verwendet werden. Wer ausgetrunken hat, kann den Becher in jedem der teilnehmenden Cafés zurückgeben und erhält sein Pfand wieder. Dort wird der Becher dann gereinigt und steht für den nächsten Coffee To Go bereit.

Daraus besteht der Mehrwegbecher

Das Berliner System „Just Swap It“ setzt auf Becher aus Bambus und Maisstärke. „Refill it!“, vom Café El Rojito in Hamburg, bezieht seine Becher vom Hersteller NOWASTE, der die Produkte aus Baumsaft herstellt. Die Mehrwegbecher von „ReCup“ aus Rosenheim bestehen derzeit zwar noch aus einem Kunststoff auf Erdöl-Basis, doch die Macher sind sich dessen bestens bewusst. An erster Stelle steht für sie zunächst aber, einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen – danach folgt die Optimierung. Eine gute Einstellung!

Pfandbecher "ReCup" (c) ReCup
Pfandbecher „ReCup“
(c) ReCup

Als Green Chef mit einsteigen?

Für einen Green Chef ist ein Coffee To Go aus Einwegbechern ein absoluter Coffee No Go. Wie wär’s also, sich mit dem eigenen Betrieb einem der Mehrwegpfandsysteme anzuschließen?

Alle Infos über die vorgestellten Systeme und ihre teilnehmenden Betriebe findet Ihr hier:

Coffee2go – für Gäste denken

Knitterbecher Porzellan - Gastronomie-Kaufhaus
Knitterbecher Porzellan - Gastronomie-Kaufhaus
Knitterbecher Porzellan – Gastronomie-Kaufhaus

Wir haben gestern in Hamburg City gesehen, wie viele Menschen ihren Coffee2go als Coffee2stay trinken – in Pappbechern. Wenn es gelingen würde, die Hälfte dieser Menschen zu überzeugen, in diesem Fall Porzellan statt Pappe zu nutzen, wäre der Effekt schon gewaltig. Für die, denen unsere Idee noch nicht weit genug geht. Erst mal 50% – wenn das Ziel erreicht ist, kommen 100% und dann die Gäste, die ihren Kaffee mitnehmen.

Coffee to go – drinnen nur Porzellan muss nicht sein

Da sind wir auf die Hilfe der Gastronomen angewiesen. Wer sich die Mühe macht und ausrechnet, welche Ersparnis möglich ist, kann bei den Gästen punkten und die zum Mitmachen bewegen.

Angenommen, 60 Coffee2go werden täglich im Haus verzehrt (mal abgesehen von der günstigen MWSt, die in Gefahr wäre), könnte der Betreiber die Botschaft streuen: Wenn jeder zweite seine C2G hier im Hause nicht in Pappe, sondern im Porzellanbecher trinken würde, Müssten wir 9.000 Becher im Jahr weniger wegwerfen.

Coffee2go – Bilder bauen

Nun bitte den Becher wiegen, mal 9000, den Deckel auch, mal 9000 und das gesamte Gewicht addieren und den Papp- und Plastikmüll eindrucksvoll in Gewicht wiedergeben. Bei angenommenen 10 Gramm pro Becher sind es immerhin 90 Kilo Abfall im Jahr, oft mehr, als zwei Gäste zusammen wiegen, bei den Deckeln schnell noch mal 45 Kilo zusammen. Das schleppt ein einzelner Mensch nicht mehr weg.

Gute Hersteller geben auch den CO2 Abdruck für die Herstellung bekannt, dazu noch den Verbrauch für den Transport und das ganze mal 9.000. Die Produktion verursacht nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg 110 Gramm pro Becher, das ist eine Tonne CO2 im Jahr nur durch die Häfte der Becher, die unnötigerweise im Laden getrunken werden. Eine Tonne

Das lässt sich mit Tafeln erzählen, auf den Tabletts als Unterleger oder mit kleinen Flyern auf den Tischen – obendrein im Netz und in den sozialen Medien. Damit schafft man Bilder im Kopf des Empfängers – schon sehen die Gäste, wie einfach es ist, mit kleinen Gesten großes zu bewirken. Sie sind damit ein Teil vom Ganzen und fühlen sich wahr (und ernst genommen). Die Bindung zur Location steigt und die Gäste beginnen irgendwann, auf sich selbst zu achten.

So einfach kann es gehen!