Foodguerilla: Probier‘ doch mal Ratte!

Foodguerilla Bisamratte (c) Pixabay

„Heute gibt’s Ratte!“ Ziemlich zügig würden sich wohl die Tische in dem Restaurant leeren, dessen Küchenchef solche Botschaft verkündet. „Ungeziefer isst man nicht!“, weiß man doch schließlich.

Foodguerilla Bisamratte (c) PixabayZwei Künstler aus Amsterdam sind da aber anderer Ansicht. Voller Überzeugung servieren sie Bisamratte, Krähenbrust und wildernden Knöterich. „Foodguerilla“ nennen die beiden ihr Projekt – und das trifft es auf den Punkt, denn Rob Hagenouw und Nicolle Schatborn führen gewissermaßen einen Kleinkrieg gegen Lebensmittelverschwendung. In einem kleinen niederländischen Gasthaus führen sie ihre Gästen an den Genuss von wahrlich exotischen Delikatessen heran, die andernfalls dem Abfalleimer zum Opfer fallen. Darunter zum Beispiel Wildgänse: Als Bewohner der Amsterdamer Flughafenregion gelten sie häufig als Störenfried für den einwandfreien Flugverkehr; über 10.000 Gänse werden daher jedes Jahr von Jägern geschossen oder von Tierfängern erstickt. Im Gegensatz zu den Deutschen finden die Niederländer eine Gans nicht sonderlich lecker. Die beiden Künstler sehen in den getöteten Wildgänsen jedoch verschenktes Potential – und tischen sie auf.

Krähen rupfen und Rennpferde essen

FoodguerillaUm die Foodguerilla hat sich inzwischen ein Netzwerk gebildet: Jäger, Metzger, Köche und auch ein Bioladen sind mit im Boot, um Gans, Ratte & Co. an den Mann zu bringen. Bei Gourmetdinners und Workshops in wechselnden Restaurants kommen die Teilnehmer Krähen und Tauben näher: Es wird gerupft, gehäutet, ausgenommen. Außerdem sind Rob Hagenouw und Nicolle Schatborn mit Foodtrucks auf Märkten unterwegs und bieten dort zum Beispiel Taubenbouillon oder Fleisch von ausgemusterten Rennpferden an. Natürlich achten sie streng darauf, keine kranken Tiere zu verarbeiten.

Foodguerilla heißt Ideale verfolgen

Die Foodguerilla ist ein Extremum. Und genau damit ein wunderbares Musterbeispiel für ganzherzige Green Chefs! Rob Hagenouw und Nicolle Schatborn machen Punkte ausfindig, an denen Essbares als wertlos abgetan wird und wirken dem gezielt entgegen. Rentabel ist die Foodguerilla nicht – zu groß ist wohl doch die Skepsis vor vermeintlichem Ungeziefer und zu verinnerlicht sind die Deklarationen von wertvollem und wertlosem, abstoßenden Essen. Doch die beiden Künstler sind Idealisten und stehen aufrichtig für ihr Konzept ein. Die Bisamratte bieten sie kostenfrei an: Weil sie überzeugt sind.

Restaurants sammeln Himmelswasser für Gerstensaft

Himmelswasser für Gerstensaft

Den Niederländern wird oft und absolut zu Recht ein hohes Maß an Fortschrittlichkeit und nachhaltigem Denken nachgesagt. Von der neuesten Idee profitieren neben der Umwelt auch Gast und Gastwirt. Dafür wird das Regenwasser aufgefangen, um daraus „Hemelswater“ oder auch Himmelswasser, also Bier, zu brauen. Damit schlagen die Niederländer drei Fliegen mit einer Klappe: Amsterdam vor noch mehr Wasser schützen, gutes Bier brauen und gleichzeitig auf unsere verschwenderische Konsumgesellschaft aufmerksam machen.

Gastronomen sammeln Himmelswasser für nachhaltiges Bier

Himmelswasser für Gerstensaft
Himmelswasser für Gerstensaft (Foto: Hemelswater)

Nicht nur in Deutschland hat sich der Sommer eher von seiner nassen Seite gezeigt. Auch in den Niederlanden hat es in diesem Jahr viel geregnet. Ein paar Unternehmer aus Amsterdam hatten da eine tolle Idee: Sie fingen das Regenwasser in zwei Containern auf (an einem Wochenende kamen 1.000 Liter zusammen), filterten und erhitzen es und stellten schließlich Bier damit her.

Die limitierte Stückzahl an Hemelswater, übersetzt „Himmelswasser“, war sofort ausverkauft. Da das Bier so gut ankam, gibt es auch schon Pläne für die Zukunft: Restaurants und Cafés sollen Regenwasser für Hemelswater in eigenen Tanks sammeln und im Gegenzug dafür Bier bekommen. So wird auch der Gast auf das Thema Wassersparen aufmerksam gemacht.

Ist Wassersparen überhaupt sinnvoll?

In ärmeren Ländern ist Wasser eines der größten und wichtigsten Themen, in Europa haben wir aber tatsächlich ausreichend Wasser – und das will in Bewegung bleiben: Das benutzte Wasser geht über die Kanalisation ins Klärwerk, dort wird es gereinigt und kommt in das nächste Gewässer, wo es versickert und wieder zu Trinkwasser wird – so schließt sich der Kreis.

Wichtiger als der Wasserverbrauch ist bei uns also, wie sauber es wieder in den Kreislauf kommt. Die Prozesse zur Wiederaufbereitung werden durch Rohrreiniger, Pflanzenmittel & Co., die im Abwasser landen, zusätzlich erschwert.

Ein großes Problem für die Umwelt ist auch die Energie, die zum Erwärmen des Wassers benötigt wird. Denn Warmwasser verbraucht ungefähr zehn Mal mehr Energie als die bloße Wasserbereitstellung und -entsorgung.  Ein verantwortungsvoller und bewusster Umgang mit dem Trinkwasser aus unseren Leitungen ist also wichtig, vor allem bei Warmwasser.

Tipps für Gastronomen, die hier was bewegen wollen, haben wir zusammengetragen.