Tierwohl auf der Speisekarte

Tierwohl auf der Speisekarte - Adobe Stock

In der heutigen Gastronomie gewinnt das Thema Tierwohl zunehmend an Bedeutung. Verbraucher achten nicht nur auf die Qualität ihrer Lebensmittel, sondern auch darauf, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten und gefüttert werden. Echte Nachhaltigkeit in der Fleisch- und Fischbeschaffung bedeutet, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, die das Wohl der Tiere in den Mittelpunkt stellen.

Die Bedeutung von Tierwohl

Tierwohl umfasst verschiedene Aspekte, darunter artgerechte Haltung, Zugang zu Freiflächen, gesundes Futter und eine stressfreie Schlachtung. Wenn Tiere unter guten Bedingungen aufwachsen, hat dies nicht nur positive Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden, sondern auch auf die Qualität des Fleisches und des Fisches, das wir konsumieren. Ein respektvoller Umgang mit Tieren sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein.

Verantwortung in der Beschaffung

Gastronomiebetriebe stehen in der Verantwortung, ihre Lieferanten sorgfältig auszuwählen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Bauern und Fischern, die nachhaltige Praktiken anwenden, ist ein wichtiger Schritt. Zertifizierungen wie das Bio-Siegel oder das Label für tiergerechte Haltung können dabei helfen, vertrauenswürdige Quellen zu identifizieren. Transparente Lieferketten ermöglichen es den Gästen, informierte Entscheidungen zu treffen und sich für Produkte zu entscheiden, die das Tierwohl respektieren.

Kreative Gerichte mit gutem Gewissen

Ein weiterer Aspekt der Tierwohl-Initiativen ist die Entwicklung kreativer Gerichte, die auf nachhaltige Produkte setzen. Köche können innovative Rezepte kreieren, die nicht nur köstlich sind, sondern auch das Bewusstsein für die Herkunft der Zutaten schärfen. Durch das Angebot von Gerichten mit Fleisch und Fisch aus artgerechter Haltung tragen Gastronomiebetriebe aktiv zur Förderung des Tierwohls bei.

Fazit

Tierwohl auf der Speisekarte ist mehr als nur ein Trend – es ist eine ethische Verpflichtung und ein Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Gastronomie. Indem wir verantwortungsvoll mit Fleisch- und Fischbeschaffung umgehen, können wir nicht nur das Wohl der Tiere fördern, sondern auch unseren Gästen ein gutes Gefühl beim Genuss ihrer Speisen geben. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass Tierwohl in der Gastronomie eine zentrale Rolle spielt.

Rettet das Sundheimer Huhn

Sundheimer Huhn - Green Chefs

Das Huhn, einfachstes, landwirtschaftliches Nutztier und Standardzutat der europäischen Küche, ist in Gefahr! Natürlich nicht jedes Huhn, aber das schmackhafte, hoch geschätzte, robuste und gesunde Huhn.

Die Problematik des modernen Huhns

In der deutschen Lebensmittelproduktion beschränkt man sich auf wenige, hocheffiziente Hybridrassen. Viel Fleisch, noch mehr Eier – aber leider wenig Geschmack. Dem Hybridhuhn wird genau das zum Verhängnis: Die Hennen leiden vor der Schlachtung unter ihrem eigenen Gewicht. Zudem werden noch immer viele der männlichen Küken kurz nach dem Schlupf getötet.

Die Verbraucher – also eure Gäste – bekommen davon noch immer zu wenig bis gar nichts mit. Geflügel ist beliebt und billig, außerdem sieht die Hühnerbrust in der Plastikverpackung kaum noch nach Tier aus. Diese Entfremdung ist ein Problem, das es zu lösen gilt. Zum Beispiel durch aktive Aufklärungsarbeit, wodurch peu à peu ein Umdenken stattfinden kann.

Wir retten das Sundheimer Huhn

Restaurant Erasmus - Sunheimer Huhn - Green Chefs Partner
Restaurant Erasmus setzt auf die alte Rasse: Andrea Galotti mit Sundheimer Küken

Gastronomen – wie das Restaurant Erasmus, Green Chefs Partner aus Karlsruhe – fungieren als Vorbilder und können wirklich was bewegen. Zum Beispiel indem sie auf regionstypische Hühner aus artgerechter Haltung statt auf Hybridhühner setzen.

Auch Initiativen wie Bruderhahn tragen zum Umdenken bei, indem sie einerseits auf die Tötung der Hähnchen aufmerksam machen und andererseits  durch die Zusammenarbeit mit regionalen Landwirtschaftsbetrieben die gemeinsame Aufzucht von Hennen und Hähnen unterstützen.

Eine Lösung: Das Zweinutzungshuhn

Das Zwiehuhn, auch Zweinutzungshuhn, kann sowohl Eier legen als auch ausreichend Fleisch ansetzen. Nicht so effektiv wie beim Hybridhuhn, aber dafür kann es noch mehr: Das Zwiehuhn ist besonders widerstandsfähig gegen örtliche Krankheitserreger und kommt daher überwiegend ohne den Einsatz von Antibiotika durch’s Leben.

Auch die Landwirtschaft profitiert von der Entscheidung zum Zwiehuhn, denn durch regionale Wirtschaftsstrukturen können Zwischenhändler minimiert werden. Zudem ist es möglich, dass Zusatzkosten, die Landwirten für die Ausrichtung auf Zweinutzungshühner anfallen, durch EU-Agrar-Mittel rückerstattet werden.

Das Sudheimer Huhn schippert auf der Arche des Geschmacks

Sundheimer Huhn - Green Chefs
Sundheimer Hahn und Henne

Das Sundheimer Huhn gilt als ältestes Zwiehuhn und ist 2014 in die Arche des Geschmacks der Slow Food Bewegung aufgenommen worden, um das Überleben der vom Aussterben bedrohten Rasse zu sichern.

Mit der Entscheidung für das Sundheimer Huhn – oder andere regional vorkommende Hühnerrassen – tragen Gastronomen nicht nur zur Erhaltung der Artenvielfalt bei, sie können auf diesem Weg auch Aufklärungsarbeit beim Gast leisten. Nur gemeinsam kann es gelingen, ein sinnstiftende Lebensmittelsystem zu erhalten.

Und die Geschichte hinter dem Gericht auf dem Teller ist es alle Mal wert, weitererzählt zu werden!

Charta soll Tierwohl sichern

GREEN CHEFS: Geflügel-Charta soll Tierwohl sichern

Huhn GREEN CHEFSDie Tierskandale der letzten Jahre haben die Fleisch produzierende und verarbeitende Industrie stark erschüttert. Jetzt verpflichtet sich die deutsche Geflügelfleischwirtschaft zu branchenweiten Vorschriften und Standards.

Charta für mehr Verantwortungsbewusstsein und Transparenz

Verstöße werden zukünftig mit Sanktionen bis hin zum Ausschluss geahndet. Die Geflügel-Charta hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Deutschland soll zukünftig das „beste Geflügelland der Welt“ sein. Auf dem Weg dorthin stehen vor allem die Förderung von Tierwohl und -gesundheit auf der Agenda. Betriebe, die zum Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) gehören, sind ab sofort zu einem „verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika“, sozialen Standards und ehrlicher Verbraucherinformation verpflichtet.

Die Charta repräsentiert rund 95 Prozent der deutschen Hähnchen- und Putenfleischerzeugung, zu denen auch Wiesenhof zählt. Der Geflügelproduzent war in der Vergangenheit vermehrt durch Hygienemängel und Tierquälerei-Vorwürfe aufgefallen.

Um ähnlichen Fällen in Zukunft vorzubeugen, sollen die zugehörigen Betriebe auch unangekündigt kontrolliert werden.

Der Imageschaden, mit dem die Geflügelbranchen seit Jahren zu kämpfen hat, ist enorm und belastet alle Produzenten. Nun kommt es darauf an, die Umsetzung der Charta zügig voranzutreiben.