Zum Pilzesammeln brauchen Funghizisten jetzt nicht mehr durch Wälder zu streifen, ein Gang in den Keller genügt – zum Beispiel in den Keller von Manuel Bornbaum und Florian Hofer. Die unterirdische Pilzzucht des studierten Agrarwissenschaftlers und des Maschinenbauers befindet sich im Souterrain eines Wiener Wohnhauses. Hier wachsen Austernpilze an Plastiksäcken. Der Standort ist bewusst so gewählt, um die Transportwege möglichst kurz zu halten.

Regionale Lebensmittelproduktion in der Stadt

Urbane PilzzuchtUrbane PilzzuchtDas Besondere an dieser Pilzzucht: Die Pilze ernähren sich von Kaffeesud, Kaffeehäutchen und Kalk, die sonst ungenutzt im Müll landen. Mit einem Lastenfahrrad sammeln Manuel und Florian den Kaffeesud – vorwiegend von Seniorenresidenzen – ein. Zurück im Keller wird der Nährboden der Pilze in Säcke gefüllt. Ab jetzt heißt es warten. Bei 15 Grad sprießen die ersten Pilze nach etwa 4 bis 5 Wochen.

Ihre Ernte liefern die engagierten Pilzzüchter wieder per Lastenfahrrad an gastronomische Betriebe, die die Pilze frisch verarbeiten oder sie zu Sugo, Aufstrich und Pesto weiterverarbeiten.

Die Pilzzucht von Manuel und Florian entspricht einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, daher landet auch das, was in den Säcken übrigbleibt, nicht auf dem Müll, sondern dient Kompostwürmern als Power-Futter. Hut & Stiel, wie Manuel und Florian ihr Unternehmen nennen, zeigt, wie regionale Lebensmittelproduktion in der Stadt funktionieren kann und dass es sich durchaus lohnt, den Produktlebenszyklus ein Stückchen weiter zu spinnen. Dabei können nicht nur Ressourcen geschont, sondern auch ganz kreative, neue Möglichkeiten entdeckt werden.

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