Gemüse ohne Plastik

Gurken im Plastikkleid – das ist praktisch, klar! Plastik schützt die Grünlinge vor Faulgasen der Nachbarsgurke, sie ist erst mal immun. Aber muss die Plastikverpackung um Obst und Gemüse wirklich sein?

Untersuchungen ergeben immer wieder, wie hoch die Keimbelastung von in Plastikverpackungen geliefertem Obst und Gemüse ist. Besser für Mensch und Umwelt ist der regionale Bezug von Ost und Gemüse – zum Beispiels vom Biobauern eures Vertrauens.

Gemüse ohne Plastikkleid steht euch besser

Gemüse ohne Plastik-Kleid steht euch besser
Gemüse ohne Plastik-Kleid steht euch besser

Die Umstellung weg von der Plastikverpackung ist gerade, wenn man im Regelfall vom Großanbieter bezieht, nicht leicht – und zieht zig Diskussionen mit den Lieferanten nach sich. Je mehr Gastronomen aber unverpacktes Gemüse und Obst nachfragen, desto wahrscheinlich ist es, dass sich am Markt etwas tut. Umdenken beginnt in einem Kopf und gute Ideen verbreiten sich dann wie ein Lauffeuer. Seid Teil davon! Werdet aktiv, nehmt den Ist-Zustand nicht einfach hin. Fragt nach und informiert euch.

Kein Plastik ist die Lösung

Schon heute gibt es Großanbieter, die Plastik vermeiden und Alternativen bieten. Allerdings ist selbst Bio-Plastik, das beispielsweise aus Maisstärke hergestellt wird, keine echte Lösung. Hierfür wird zwar auf Erdöl zur Herstellung verzichtet, allerdings ist der Ressourcenbedarf für den Anbau der Ersatzstoffe recht hoch. Vorteile hat Bio-Plastik erst nach dem Gebrauch, da es innerhalb kurzer Zeit verrottbar sein soll.

Besser ist es daher, weitestgehend auf Plastik zu verzichten. Da die Plastikverpackung vor allem auf langen Transportwegen schützen soll, ist es mehr als naheliegend, saisonales Gemüse und Obst möglichst wenig durch die Gegend fahren zu lassen und direkt von Anbietern vor Ort zu kaufen.

Was wann Saison hat, erfahrt ihr hier.

Reinigungsmittel – geht auch nachhaltig!

Reinigungsmittel

Nachhaltig bedeutet per Definition nach Duden, dass „nur in dem Maße, wie die Natur es verträgt“, gehandelt wird. Das gilt auch für den Einsatz der Reinigungsmittel und betrifft sowohl die Wahl der Produkte als auch die verwendete Menge.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit

Reinigungsmittel

Pro Jahr werden allein in Deutschland 630.000 Tonnen Waschmittel verbraucht. Die Gastronomie trägt hierzu einen erheblichen Teil bei.

Wenn wir nun schon in so viele Bereichen der Gastronomie über Nachhaltigkeit diskutieren, sollten wir dies auch in Sachen Reinigungsmittel tun. Nachhaltigkeit setzt dabei auf drei Säulen: die Ökologie, die Ökonomie und das Soziale.

Die verwendeten Produkte sollten die ökologischen Standards erfüllen, also keine umwelt- und gesundheitsgefährdenden Stoffe enthalten, für Wasserorganismen ungefährlich und in Kläranlagen leicht wieder abbaubar sein.

Die ökonomische Komponente betrifft die Dosierung der Reinigungsmittel. Wer die Produkte in Maßen und nicht in Massen einsetzt, tut gleichzeitig Umwelt und Geldbeutel etwas Gutes.

Hinter der sozialen Komponente stecken die Menschen, die die Reinigungsmittel verwenden – völlig gleich ob Kochazubi oder Küchenmeister, Spülkraft oder Putzkolonne. Alle sollten wissen, wie sie Wasch- und Reinigungsmittel nachhaltig einsetzen und welche Dosierung dabei notwendig und vor allem ausreichend ist.

Diese Siegel stehen für nachhaltige ReinigungsmittelReinigungsmittel Siegel - GC

Es gibt bereits viele Gütesiegel, an denen man nachhaltige und umweltschonende Produkte erkennen kann. Hierzu zählen zum Beispiel die Bekanntesten wie der Blaue Engel oder das EU Ecolabel. Hilfreich ist hier auch die Datenbank von „die umweltberatung“. Sie kann euch dabei helfen, geeignete Reinigungsmittel zu finden.

Der Lachs wird Vegetarier

Der Lachs wird Vegetarier - Atlantic salmons (Salmo salar) in a fishfarm. Ryfylke, Norway.

Der Lachs gehört mit einem Anteil von 20 Prozent* zu den beliebtesten Fischarten und landet entsprechend oft auf den Tellern. Doch das Angebot ist begrenzt. Die Zucht gelingt nicht nachhaltig. Zwei Chemiekonzernen, Evonik und DSM, ist es nun gelungen, eine Lösung zu finden. Dafür wird der Lachs zum Vegetarier.

Vom Fischfresser zum Vegetarier

Der Lachs wird Vegetarier - Atlantic salmons (Salmo salar) in a fishfarm. Ryfylke, Norway.
Der Lachs wird Vegetarier

Um den Bedarf an Lachs decken zu können, wird der Fisch in Lachsfabriken weltweit gezüchtet. Da der Lachs wie auch Menschen und andere Tiere zum Wachstum auf die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA angewiesen sind, werden diese in Form von Fischöl zugefüttert. Gewonnen werden sie auch Wildlachs. So gehen 2,6 Kilogramm Wildlachs für 1 Kilogramm Zuchtlacht ins Netz.

An dieser Stelle setzt nun eine gemeinsame Erfindung der Chemiekonzerne Evonik aus Essen und DSM aus den Niederlanden an. Sie haben gemeinsam Patente entwickelt, Omega-3-Fettsäuren, die es eigentlich so nur in Fischen gibt, auf Basis einer Alge herzustellen. Eine Weltneuheit, die die Fischzucht revolutionieren könnte. Denn die Erfindung ist so effektiv, dass in Zukunft Fisch nicht mehr an Fisch verfüttert werden muss. Und auch der Tierfuttermarkt könnte davon profitieren.

Algenöl statt Fischöl vom Wildlachs – eine Revolution!

Und so funktioniert die Herstellung der fischlosen Omega-3-Fettsäuren: Algen werden mit Zucker – bevorzugt aus Mais – angereichert und brauchen nur ein paar Tage, bis sie geerntet werden und aus ihnen ein Algenöl gewonnen werden kann. Das wiederum ist ein hundertprozentiger Ersatz für das bisherige Fischöl, denn es enthält die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.

Das Algenöl ist nicht nur reiner, weil es ohne mögliche zurückbleibende Schwermetalle oder Antibiotika in den Fischen hergestellt wird. Es ist auch effektiver, weil das Algenöl die doppelte Menge an Omega-3-Fettsäuren enthält wie herkömmliches Fischöl. Künftig soll die Alge 15 Prozent des derzeitigen jährlichen Bedarfs für Kulturlachs decken – zunächst. „Mit unserem Algenöl machen wir den Lachs sozusagen zum Vegetarier“, sagt Reiner Beste, Leiter der Ernährungssparte von Evonik.

Verbesserte Nachhaltigkeit in der Aquakultur

Gemeinsam mit DSM hat der deutsche Chemiekonzern dazu ein Joint-Venture unter dem Namen Veramaris gegründet. Eine Anlage zur Produktion wird in den kommenden Monaten in den USA entstehen, über den genauen Standort wird noch verhandelt. 2019 soll die Anlage in Betrieb gehen. Das Ziel ist es, mit der Alge „einen neuen Standard für eine verbesserte Nachhaltigkeit in der Aquakultur zu setzen“, sagt Beste.

Das fischlose Öl aus Alge ist zwar etwas teurer in der Herstellung, dafür ist es aber nachhaltig. Vom Futterproduzenten über den Lachszüchter bis hin zum Lebensmittelhandel habe es bereits positive Rückmeldung gegeben – auch in Bezug auf den moderaten Kosteneffekt, sagt Beste.

Steigende Kosten für herkömmliche Zuchtlachse

Hinzu kommt: Auch Fischöl wird immer teurer. Die Kosten für eine Tonne Fischöl liegt zurzeit bei 2000 bis 2500 Dollar. 2005 lag der Preis noch bei 500 Dollar. Das liegt an den Fischfangquoten, der erhöhten Nachfrage nach Lachs und dem begrenzenden Angebot. „So gesehen hat das Premium-Produkt Lachs so oder so mit steigenden Kosten zu rechnen“, sagt Beste.

Das Nachsehen könnte beim Einsatz der Alge als Fischölersatz die Fischerei-Industrie haben. Denn die Wildfische werden beim Einsatz der Alge nicht mehr benötigt.

*Nach Angaben der Nürnberger Gesellschaft für Konsum ist Lachs in Deutschland der meistverkaufte Fisch mit einem Verzehr von rund 14,4 Kilogramm Fangfisch pro Kopf.

Fabio Haebel – nachhaltig aktiv im haebel

Der ausgebildete Hotelfachmann und Koch Fabio Haebel ist mit Leib und Seele Restaurantbesitzer. Aus seiner vorherigen Catering Agentur entstand 2011 die Tarterie St. Pauli, deren Konzept 2017 überarbeitet wurde. Nach der Neustrukturierung folgte auch die Umbenennung. Seither läuft das Restaurant unter dem Namen des Gastgebers: haebel. Die stetige Veränderung treibt Fabio an. So entwickelte sich das anfängliche Bistro zu einem Restaurant mit wechselnder Wochenkarte. Die Atmosphäre jedoch ist die gleiche geblieben: persönlich und gemütlich, französische Küche in deutsch-heimatlicher Interpretation.

Fabios Testlabor der Vielfältigkeit

GC-Fabio Haebel-TarterieFür Fabio ist das haebel, ehemals die Tarterie St. Pauli, Lebensmittelpunkt und Testlabor. Er entwickelt hier laufend neue Kreationen. Die direkte Feedback-Ebene, die sich im Restaurant bietet, nutzt Fabio um noch weiter an seinen Gerichten tüfteln zu können. Über die Jahre entwickelte sich so die zunächst einfache Karte, bestehend aus Flammkuchen, Quiche, Merguez, Tarte au Pommes und mehr, weiter zu einer feinen, raffinierten und gehobenen Küche. Trotz alledem bleibt dem haebel das lockere Ambiente mit offener Küche erhalten.

Nachhaltigkeit im haebel

Das kleine Team des Restaurants, das im Hamburger Stadtteil St. Pauli lokalisiert ist, wird fair entlohnt und leistet dafür ganze Arbeit in Service und Küche. Die Karte ist stets saisonal und Fabio setzt auf sein breites Netz an befreundeten Produzenten und Lieferanten, die regional vertreten sind. Auch in seinen Kochbüchern zeigt Fabio, wie Produkte in guter und moralisch wertvoller Qualität zu kleinen Raffinessen werden.

Das haebel setzt auch in ihrer Einrichtung nicht auf konsumgesellschaftliches Verhalten, sondern auf Wiederverwendung und darf eine stilvolle und modern nordisch inspirierte Einrichtung ihr Eigen nennen. Das Mobiliar wird nicht neu gekauft, sondern aufbereitet und aus zweiter Hand gekauft. So lässt sich mit gutem Gewissen die französische Küche genießen.

Die Lösung des Fleisch-Dumping-Problems

Die Lösung des Fleisch-Dumping-Problems

Es ist eine Idee wie aus dem Bilderbuch eines Bio-Landwirtes, die derzeit kursiert und eventuell schon bald Wirklichkeit werden könnte: Die Preise für Lebensmittel aus ethisch bedenklicher Produktion werden so stark angehoben, dass sie sich niemand mehr leisten kann, während Landwirte, die das Tierwohl achten und nachhaltig produzieren, fair entlohnt werden. Die Überlegung ist so einfach wie einleuchtend und mit dem Fleisch-Dumping-Problem wäre dann Schicht im Schacht.

Fleisch-Dumping – was für eine Schweinerei

Die Lösung des Fleisch-Dumping-Problems
Neues Preismodell verspricht Lösung des Fleisch-Dumping-Problems

Nachhaltiger Fleischkonsum – ebenso jener von Gemüse, Milchprodukten oder Fisch und Meerestieren – sollte heute für Gast und Gastgeber selbstverständlich sein. Das beinhaltet eine artgerechte Haltung und natürlichere Ernährung der Tiere, weniger Monokulturen und dafür mehr Biodiversität. Statt auf Masse setzen zu müssen, weil den Landwirten vom Handel die Daumenschrauben angelegt sind, kann mit dem neuen Preismodell auf Klasse zu fairen Preisen gesetzt werden.

Das gängige Preismodell würde so auf den Kopf gestellt und die Probleme, die die Niedrigpreis-Politik für Fleisch und Co. mit sich bringen, wären gelöst.

Zurück auf dem Teller: Innereien und Extremitäten

Ein weiterer Aspekt für mehr Nachhaltigkeit beim Fleischkonsum ist das Nose-to-Tail-Prinzip, nach dem das Tier auf Herz und Nieren verarbeitet wird. Das Zauberwort ist hierbei „Rückbesinnung“. Zur Inspiration lohnt es sich, in Omas Rezepten zu stöbern, die konnte das nämlich bereits sehr gut. Moderne Interpretationen der alten Hausmannsküche liegen derzeit ohnehin im Trend.

Nielsen-Studie: Die Gäste ernähren sich bewusster

Nielsen-Studie zeigt - Die Gäste ernähren sich bewusster

Weniger Fleisch, Zucker, Fett oder mehr Bio, Qualität und Regionalität – ganz gleich, worauf die Gäste achten, bewusste Ernährung ist absolut im Kommen. „Dahinter steht der Wunsch nach ehrlichen Produkten sowie einer ethischen und moralischen Verträglichkeit der Lebensmittel“, sagt Anne-Kathrin Haubert, Senior Business Consultant bei Nielsen und Mitautorin der Food-Studie. Dafür wurden mehr als 10.000 Haushalte befragt.

Nielsen-Studie zeigt Trend zu bewusster Ernährung auf

Nielsen-Studie zeigt - Die Gäste ernähren sich bewussterVor allem „alternative Ernährungsstile“ seien laut der Nielsen-Studie gefragt. So achten 51 Prozent der Befragten darauf, dass die Produkte aus der Region stammen und eine hohe Qualität aufweisen  (48 Prozent). Vegetarische und vegane Angebote in der Gastronomie entsprechen dem Vorhaben der Studienteilnehmer, weniger Fleisch und tierische Produkte zu konsumieren. Auch der Anteil an Zucker und Fett soll – geht es nach dem Wunsch der Gäste – für knapp ein Fünftel der Befragten reduziert werden.

Die eigene Gesundheit ist für die sogenannten „bewussten Esser“ der Hauptgrund dafür, die eigene Ernährung zu überdenken und umzustellen. Für die Befragten geht es insbesondere darum, sich wohl zu fühlen und körperlich und seelisch auch durch ihre Ernährung im Einklang zu sein. „Lebensmittel müssen heute mehr denn je nicht nur gut schmecken, sondern auch den vorherrschenden Werten genügen“, erläutert Anne-Kathrin Haubert. Mit einem entsprechenden Angebot setzen Gastronomen also auf das richtige Pferd.

Die Nielsen-Studie stellte ebenfalls heraus, dass 72 Prozent der Verbraucher bereit sind, für eine höhere Qualität der verwendeten Lebensmitteln mehr zu zahlen.

Transparenz sorgt für Glaubwürdigkeit

Als besonders glaubwürdig bezeichnen die Studienteilnehmer Produkte mit regionalem Bezug (37 Prozent), ebenso spielen Gütesiegel (21 Prozent) eine Rolle und der Einsatz von Bio-Produkten (16 Prozent). Gastronomen können diese Entwicklung für sich nutzen und ihre Gäste vermehrt darüber informieren, woher und wie sie ihre Waren beziehen, die Gäste in die Produktionsabläufe miteinbeziehen und ihre Karte sowie andere Kommunikationsmittel und -wege möglichst transparent gestalten.

Nachhaltigkeitswoche für Green Chefs

Transgourmet Nachhaltigkeitswoche

Das Bewusstsein der Gäste für nachhaltige, regionale und fair produzierte Nahrungsmittel ist in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen. Das wissen auch die Gastronomen und tischen entsprechend häufig Lebensmittel aus der Region und nach Bio-Richtlinien hergestellte Produkte auf. Vom 29. Mai bis 5. Juni 2017 ruft Transgourmet zur Nachhaltigkeitswoche auf, während der es um das Potenzial nachhaltiger Gastronomie gehen wird und die noch mehr Kollegen zum Mitmachen motiviert soll.

Nachhaltigkeit in der Gastronomie zahlt sich aus

Transgourmet Nachhaltigkeitswoche
Vom 29. Mai bis zum 05. Juni 2017 findet die Nachhaltigkeitswoche statt (Foto: © Brand Upgrade GmbH)

Tierschutz und effiziente Ressourcennutzung fangen bereits bei der Herkunft und Herstellung der Lebensmittel an, denn das Ernährungssystem steht in engem Zusammenhang mit dem Klimawandel, Wasserknappheit oder Umweltverschmutzung. Im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche können die Profis untereinander Ideen tauschen und so neue Inspirationen für ein grünes Speiseangebot entdecken.

Ob Fairtrade-Produkte oder Veggie-Gerichte, Gäste honorieren heute mehr denn je nachhaltige Lebensmittel und Speisen. So trägt eine nachhaltige Speisekarte und entsprechende Kommunikation dazu bei, wirkungsvoll Gäste zu binden und das gastronomische Profil zu schärfen. Wichtig ist dabei die Einbindung des gesamten Küchen- und Serviceteams.

Nachhaltigkeit schmeckt besser

Transgourmet hat für grüne Küchenchefs auch ein  Menüplanungssystem mit nachhaltigen Rezepturen inklusive Kochhinweisen, Nährwertangaben, Bildern und Tipps für die Zubereitung entwickelt. Dabei spielen Produkte aus ökologischer Landwirtschaft und Tierwohlprogramme, ebenso wie regionale und saisonale Produkte sowie vegetarische und vegane Angebote eine große Rolle.

„Heutzutage fordern die Gäste Nachhaltigkeit. Sie wollen nicht nur satt werden, sondern nachhaltig und mit gutem Gewissen genießen. Die Aktionswoche ist auch für die Gäste eine tolle Gelegenheit, herauszufinden, wie gut Nachhaltigkeit überhaupt schmecken kann“, erläutert Frank Seipelt, Vorsitzender der Geschäftsführung Transgourmet Deutschland, das Engagement.

Tamara Lerchner: „Essen ist nicht nur Nahrungsaufnahme“

Green Chefs Partnerin Tamara Lerchner

Mit dem Restaurant zeitlos in Tirol hat Tamara Lerchner schon in den jüngsten Stunden der Green Chefs zu uns gefunden. Im Gespräch erzählt sie, wie es dazu kam und was sie als Partnerin der Green Chefs ausmacht.

Green Chefs Partner im Interview: Tamara Lerchner

Green Chefs: Wie bist du auf die Green Chefs aufmerksam geworden?

Tamara Lerchner: Durch Jan-Patrick Timmer, den Gründer, über Facebook.

Green Chefs: Was hat dich dazu bewegt, Partner der Green Chefs zu werden?

Tamara Lerchner: Die Grundidee, die dahinter steckt, hat mir von Anfang an sehr gefallen, da ich in unserem Betrieb immer schon darauf bestand, nach diesen Prinzipien zu arbeiten.

Green Chefs: Musstest du etwas verändern, um den Anforderungen der Green Chefs zu entsprechen? Oder planst du weitere Schritte, um den Gedanken der Green Chefs voranzutreiben?

Green Chefs Partnerin Tamara Lerchner
Green Chefs Partnerin Tamara Lerchner

Tamara Lerchner: Nein, verändern mussten wir eigentlich nichts, da wir immer schon auf dieser „Welle“ schwammen. Es war und ist mir ein sehr großes Anliegen, regional und fair zu arbeiten. Sei es mit unseren Lebensmitteln oder mit unseren Mitarbeitern!
Weitere Schritte wären, noch mehr an die Öffentlichkeit zu bringen, welcher „Wahnsinn“ mit unseren Lebensmitteln betrieben wird. Alleine der Abfall, der jährlich in vielen Betrieben anfällt und mit einfachen Mitteln vermeidbar wäre! Wir müssen den „Tunnelblick“ vieler Kollegen ändern, damit sie Qualität vor Quantität setzen. Essen sollte nicht nur ein Weg zur billigen Nahrungsaufnahme sein, sondern auch Genuss – fair und verantwortungsvoll!

Green Chefs: Was bedeutet es dir, Partner der Green Chefs zu sein?

Tamara Lerchner: Es kann einen stolz machen, zu den Green Chefs zu gehören. Mit diesem Team, in dem alle an einem Strang ziehen und denselben Standpunkt vertreten, kann man viele weitere Kollegen wachrütteln und so viele Dinge verbessern, zum Beispiel in Punkten wie Transportwege, Food Waste, Regionalität, Saisonalität, Mitarbeiter, …

Green Chefs: Was erhoffst du dir von der Auszeichnung als Green Chefs Partner?

Tamara Lerchner: Ich erhoffe mir, dass unsere Gäste und Mitbewerber es wertschätzen und wir die Kunden mit dem Thema erreichen. Außerdem können wir vielleicht durch die Auszeichnung etwas in Bezug auf Nahrungsmittelverschwendung unternehmen und anderen dabei helfen, etwas zu ändern.

Green Chefs: Sind deiner Erfahrung nach Fairness und Verantwortung auch den Gästen wichtig?

Tamara Lerchner: In der heutigen Zeit wird es sicher immer mehr. Der Gast möchte wissen, woher die Produkte stammen und wie sie verarbeitet werden. Für mich ist es selbstverständlich, dass unsere Gäste auch in die Küche kommen können. Die Türe ist immer offen, wir erklären gerne und haben nichts zu verstecken.

Green Chefs: Erfahren deine Gäste, dass du Green Chefs Partner bist? Auf welchen Wegen kommunizierst du das? Und wie ist das Feedback?

Tamara Lerchner: Meine Gäste erfahren es durch den Aushang der Green Chefs Urkunde, durch Patches auf unseren Kochjacken, aber vor allem durch Gespräche! Die Gäste sind sehr angetan, dass es so etwas wie die Green Chefs gibt. Man würde nicht glauben, wie viele sich dafür interessieren.

Green Chefs: Verrätst du uns ein Highlight deiner Arbeit (ein cleverer Kniff, ein Event, eine Geschichte, …), das typisch Green Chefs ist und von dem deine Kollegen lernen können?

Tamara Lerchner: Typisch Green Chefs ist für mich in unserem Betrieb, dass ich meinen Einkauf so gut wie möglich selbst erledige. Ich kaufe 2-3 Mal die Woche ein und habe somit nie ein Überlager. Sicherlich ist es nicht jedem möglich, es kommt auch auf die Größe des Betriebes an. Aber wenn ich den Einkauf selbst erledige, kann ich eben besser entscheiden, welche Ware ich möchte und welchen Preis ich bezahle. Bei Lieferungen hat man nicht immer die beste Qualität!
Und das Schönste ist heuer für mich, dass wir einen kleinen Garten zur Verfügung haben, wo wir unsere Kräuter und diverses Gemüse selber ziehen.

Malte Cuhlmann: „Es ist Zeit, Nachhaltigkeit umzusetzen.“

Malte Cuhlmann spricht mit uns über seine Einschätzung von Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung in der Gastronomie und plaudert über sein Dasein als Green Chefs Partner.

Green Chefs Partner im Interview: Malte Cuhlmann

Green Chefs Partner Malte CuhlmannGreen Chefs: Was hat dich dazu bewegt, Partner der Green Chefs zu werden?

Malte Cuhlmann: Ich finde die Idee, ein Netzwerk zu schaffen, in dem viele ihre Ideen einbringen und diese gemeinsam verfolgen können, sehr toll. Man kann gemeinsam mehr erreichen, da man viel schneller wahrgenommen wird. Green Chef wird man auch nicht, weil man besonders hübsch die Teller anrichtet oder auffällig kocht. Egal ob Sterne-Gastronomie oder Landgasthof, in jeder Küche kann nachhaltig gekocht werden, in jedem Team kann sozial miteinander umgegangen werden. Das finde ich so spannend und toll an den Green Chefs.

Der Erfolg der Idee „Green Chefs“ zeigt ja, wie aktuell das Thema ist und an wie vielen Stellen in der Gastronomie und Wirtschaft schon am Gedanken dahinter gearbeitet wird – also nur konsequent, dass Profis das jetzt bündeln und daraus eine Gemeinschaft bilden.

Green Chefs: Musstest du etwas verändern, um den Anforderungen der Green Chefs zu entsprechen?

Malte Cuhlmann: Im Großen und Ganzen haben wir nichts verändern müssen, denn uns lag es von Anfang an am Herzen, den nachhaltigen und sozialen Gedanken wieder mehr in ein Restaurant zu integrieren. Wir haben manche Produkte ausgetauscht und Prozesse verändert – die Hinweise dazu kamen aber dann tatsächlich aus dem Pool der Green Chefs.
Schlussendlich haben wir vor allem die Sensibilisierung des Teams vorangetrieben. Denn um den Gedanken konsequent umsetzen zu können, muss auch jeder im Team darauf eingestimmt sein und mit dem Wunsch, etwas zu bewegen, konform gehen.

Green Chefs: Was erhoffst du dir von der Auszeichnung?

Malte Cuhlmann: Ich hoffe, dass die Gäste ein größeres Bewusstsein dafür bekommen, wie wichtig es ist, Nachhaltigkeit in den Alltag zu integrieren. Ich will den Gästen zeigen, wie einfach, simpel und selbstverständlich man das tun kann. Und ich hoffe, dass es mehr der Kollegen ermutigt, ein Green Chef zu werden.
Ich will mit dabei sein wenn das Logo der Green Chefs zu einem Symbol für Nachhaltigkeit wird. Quasi selbsterklärend: Wer „Green Chefs“ hört, soll sofort wissen was sich dahinter verbirgt.

Green Chefs: Kommt die nachhaltige und soziale Komponente in der Gastronomie generell zu kurz?

Malte Cuhlmann: Seit ein paar Jahren wandelt es sich im Bezug auf die soziale Komponente. Es gibt mehr und mehr Programme, die den Mitarbeiter auch im Privaten auffangen und begleiten. So muss es auch sein. Denn meist siehst du deine Kollegen öfters als die eigene Familie. Und da gehört es dann auch zu, dass man dem Kollegen auch mal Freund ist – auch und gerade als Chef.

Das Thema Nachhaltigkeit kommt denke ich auch nicht zu kurz, es wächst langsam. Ein jeder Koch muss aber erstmal die Chance haben, sich in der täglichen Praxis damit auseinander zu setzen, wie man nachhaltige Produkte ins eigene Mise en place einbindet und Lieferanten müssen Strukturen schaffen, die einem nachhaltigen Erzeuger das auch möglich machen. Bis all das aufgebaut ist dauert es einfach und nicht jeder eingeschlagene Weg stellt sich als gut heraus, vieles ist learning by doing. Jeder von uns muss sich fragen: Wie definiere ich Nachhaltigkeit für mich selbst? Und was ist es mir wert ein nachhaltiges Restaurant zu besuchen?

Green Chefs: Wieso sind dir persönlich Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung wichtig?

Malte Cuhlmann: Ich denke, als Koch mit eigenem Restaurant habe ich die einmalige Möglichkeit meine Gäste und mein persönliches Umfeld für das Thema Nachhaltigkeit zu begeistern und Wege aufzuzeigen. Mir war von vornherein klar, dass ich einen anderen Weg gehen wollte als mein ehemaliger Arbeitgeber. Dort gab es auf der Karte nur Gerichte, die sich leicht verkaufen ließen, egal, woher die Ware kam.
Ich wollte dem Gast Alternativen zu den „Mainstream“-Lebensmitteln aufzeigen, meine Selbstständigkeit 2013 war die passende Gelegenheit dafür. Es wurde lange genug über die Möglichkeiten und Wege geredet, nun ist es an der Zeit, Nachhaltigkeit umzusetzen. Wenn wir nicht beginnen, wird es vieles, was jetzt noch selbstverständlich ist, für die kommenden Generationen nicht mehr geben.

Das Soziale ist mir einfach wichtig, weil es aus meiner Sicht der einfachste Weg ist, jedem im Team zu zeigen, dass er seinen Teil beiträgt. Ich merke sofort, wenn es einem aus dem Team nicht gut geht. Dann sinkt die Leistung und das hat Einfluss auf die Arbeit. Also ist es doch am einfachsten, den Mitarbeitern bei der Lösung zu helfen. Ich überlege mir immer wieder, wie ich es als Angestellter gerne hätte und was ich manchmal „vermisst“ habe und dann versuche ich es besser zu machen.

Green Chefs: Sind Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung auch den Gästen wichtig?

Malte Cuhlmann: Ja, zum Glück achten die meisten unserer Gäste darauf, woher die Lebensmittel kommen und wie man damit umgeht. Der Gast will mehr über das Produkt wissen, manche Produkte müssen auch mal erklärt werden und ich finde es schön, dass der Gast sich die Zeit dafür nimmt. Gerade beim Fisch gibt es viele tolle Produkte mit wunderbaren Geschichten dahinter. Und so wird jeder Gast auch irgendwie sensibler für das Thema.
Viele Gäste wissen auch selbst viel zum Thema und es hat eine gewisse Zeit gebraucht, bis uns der Gast abgenommen hat, das wir mit viel Konsequenz an das Thema Nachhaltigkeit heran gehen.
Unsere Gäste wollen glaube ich auch abgeholt werden, begleitet werden beim Thema Nachhaltigkeit. Denn komischerweise denken viele, dass Kochen etwas Schwieriges ist. Aber ein tolles Produkt, das nachhaltig erzeugt wurde, bietet eine einfache Bühne für leckere Kreationen.

Green Chefs: Erfahren deine Gäste, dass du Partner der Green Chefs bist? Bekommst du dazu Feedback?

Malte Cuhlmann: Das schöne an den Green Chefs ist doch, dass man Partner ist. Und als Partner erreicht man vieles gemeinsam. Deshalb findet man das Logo der Green Chefs auf meinen Kochjacken, in meiner Mailsignatur und im Restaurant wird es auch immer sichtbarer. Bei Fragen erzählen wir gerne, was sich hinter den Green Chefs verbirgt und was dazu gehört. Und so ergibt sich wieder eine Möglichkeit, darüber zu reden und zu fachsimpeln.

Das Feedback ist nur positiv und bestärkt uns darin, ein Green Chef zu sein. Viele Gäste zeigen Anerkennung und Respekt und verfolgen neugierig und aktiv die Entwicklung. So macht das viel Spaß.

Steffi Metz: „Nachhaltigkeit ist eine Lebenseinstellung“

GREEN CHEFS Partnerin Steffi Metz' Kochschule

Steffi Metz, GREEN CHEFS Partnerin der ersten Stunde, spricht im Interview mit uns über Nachhaltigkeit, Regionalität und die Rolle der Gastronomie.

Green Chefs Partner im Interview: Steffi Metz

GREEN CHEFS Partnerin Steffi MetzGreen Chefs: Ist Bio noch ein Thema oder sollte man auf Nachhaltigkeit setzen?

Steffi Metz: Der Begriff Bio wird aus meiner Sicht als Köchin derart missbraucht, dass es kaum noch relevant ist. Viel wichtiger als Bio ist es, den kleinen Bauern zu unterstützen, der seine Arbeit mit gutem Gewissen macht.

Green Chefs: Welche Rolle spielt Regionalität im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit?

Steffi Metz: Eine sehr große Rolle, denn Nachhaltigkeit kann nur in Zusammenhang mit regionalen Produkten stattfinden.

Green Chefs: Lässt sich mit Nachhaltigkeit und Regionalität das eigene Image aufbauen oder ist das mittlerweile selbstverständlich?

Steffi Metz: Ich persönlich empfinde Nachhaltigkeit und Regionalität als Lebenseinstellung. Für mich sollte das für alle Menschen normal sein – leider ist das nicht so. Viele Menschen achten nur auf den Preis und der Inhalt spielt eine Nebenrolle.

Green Chefs: Ist Regionalität der Ausweg aus dem Einerlei der Angebote?

Steffi Metz: Wir leben in einem Überangebot – das macht es den Menschen nicht unbedingt leichter, gute Produkte zu finden. Meiner Meinung nach sollte man auf Fertiggerichte generell verzichten. Man lebt damit gesünder und kann ruhigen Gewissens in den Spiegel gucken.

 Green Chefs: Welche Rolle spielt ein Koch, wenn es darum geht, Nachhaltigkeit zu vermitteln?

Steffi Metz: Ein Koch hat definitiv eine Aufklärungspflicht. Nur gibt es leider auch hier viele Köche, denen der Preis wichtiger ist. Wir als Köche haben täglich mit Lebensmitteln zu tun und wir sind die, die entscheiden, welche Lebensmittel wir einkaufen und verarbeiten. Auf dem Markt der Regionen gibt es genug Produkte, um kreativ sein zu können. Als Köche haben wir das nötige Hintergrundwissen. Und das müssen wir auch weitergeben!

 Green Chefs: Hat die Gastronomie die Verpflichtung, für gute Lebensmittel zu kämpfen?

Steffi Metz: Auf jeden Fall. Und nicht nur Gastronomen. Alle Menschen dieser Erde haben diese Pflicht.

Green Chefs: Was macht man gegen Kollegen, die Tiere aus Massentierhaltung einkaufen und nicht zur preissensiblen Gastronomie zählen?

Steffi Metz: Die bekommen einen auf den Kopp…