Freilandhaltung extended: mit Mobilstall

Mobilstall Heilight

Vor dem Eierregal ist für jeden Green Chef klar: Freilandhaltung besiegt Bodenhaltung. Dennoch kann auch die Freilandhaltung nicht ausnahmslos gelobt werden. Denn klar, eine Wiese, auf der jeden Tag Hühner toben und scharren, ist schon bald nicht mehr die alte. Das saftige Wiesengrün schwindet und besonders in Stallnähe, dort, wo Hennen sich bevorzugt aufhalten, wird der Boden stark beansprucht und mit dem Kot der Tiere belastet. Dann gefällt die Wiese auch der Henne nicht mehr. Sie wird krank und unglücklich – und mit ihr leidet das Ei.

Höchste Zeit also für Optimierung!

Ein „Heilight“ für die Freilandhaltung

Diese Optimierung hat sich Sandra Speer zur Aufgabe gemacht. Sie ist überzeugt: Gesunde, glückliche Hühner sind die Voraussetzung für ein nährstoffreiches und geschmacklich anspruchsvolles Ei. Daher stattete sie ihren Legehennenbetrieb „Heilight“ in der Nähe von Hamburg mit einem cleveren Extra aus: der Mobilstall. Eine simple Idee mit großer Wirkung.

Freilandhaltung mit Mobilstall

Mobilstall Heilight
Der Mobilstall von Heilight

Die mobilen Ställe – Sandra Speer hat wegen hoher Nachfrage längst auf drei Exemplare aufgestockt – stehen unter freiem Himmel auf Grünflächen in der sogenannten Elbmarsch. Alle zwei bis drei Wochen werden die Ställe versetzt und garantieren den Hennen so eine beinahe immergrüne und kaum keimbelastete Umgebung.
Bei Abenddämmerung ziehen sich die Hennen aus natürlichem Schutzbedürfnis heraus in ihr mobiles Zuhause zurück. Sandra Speer und ihr Team schauen dann nochmal bei den Hennen vorbei, versichern sich, dass jede sicher vor Fuchs und Marder im Stall sitzt, und schließen die Stallklappen.
Tagsüber können die Hühner sich aufhalten, wo es ihnen beliebt: 14 Stunden lang gackern, laufen und scharren sie im Stall, um den Stall, oder auf der mit Schutzhütten ausgestatteten Wiese. Jede Heilight-Henne erhält mindestens 8m² Auslauffläche – doppelt so viel, wie für die Freilandhaltung gesetzlich vorgeschrieben.

Ein nachhaltiges Ei-Komplett-Paket

Eierautomat Heilight
Heilight vertreibt seine Eier mitunter per Eierautomat.

Die Mobilställe sind Teil eines nachhaltigen Gesamtkonzeptes: Die Heilight-Hennen genießen einen auf ihr natürliches Verhalten abgestimmten Tagesablauf, bekommen natürliches Futter frei von Gentechnik und gelegentlich ein „Kräuter-Leckerli“. Antibiotika hingegen finden sich nie auf dem Heilight-Speiseplan.
Um Transparenz zu bewahren, vermarktet Heilight seine Eier konsequent direkt; unter anderem mithilfe von Eier-Automaten. Wer sich selbst von Eiern aus dem Mobilstall überzeugen möchte, den lädt Sandra Speer wärmstens zur Besichtigung ihrer Marschhennen ein. Wer also in der Umgebung ist: Wie wär‘s mit einer Fahrradtour inklusive Glückliche-Hennen-Watching?

Mehr Infos und alle Standorte, an denen es Heilight-Eier zu kaufen gibt, sind auf der Website zu finden: www.heilight-elbmarsch.de

Milchvertrieb „ab Kuh“

Kuh - Milchvertrieb ab Hof

Wir berichteten vor einiger Zeit von der Milchtankstelle, einem Vertriebshelferlein für Bauern. Die Seite milchtankstellen.com listet inzwischen 170 Milchstationen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Gastronomen, die auf der Suche nach frisch gezapfter Milch aus der eigenen Region für ihr Frühstücksbuffet oder das Dessert am Abend unter den 170 nicht fündig werden, müssen den Kopf dennoch nicht hängen lassen.

Übersicht: Wo gibt’s Direktvertreiber von Milch?

Kuh - Milch vom HofDer Milchvertrieb „ab Werk“ – sprich: ab Kuh oder Hof – muss natürlich nicht zwingend über eine Milchtankstelle erfolgen. Bauern und Milchkäufer, die sich beim Handel der cremigen Kuhessenz gern in die Augen blicken, wählen eher den klassischen Weg der Direktvermarktung am Hof, inklusive „Hallo“, „Danke“, „Tschüss“. Ob nun über eine Tankstelle, im Hofladen oder gleich am Euter: Für Bauern ist der direkte Milchvertrieb oft ertragreicher als der Verkauf über eine Molkerei. Und der Kunde, der Milch gleich beim Bauern kauft, entscheidet sich für absolute Regionalität und Frische.

Um nun also regionalbewusste Milchkäufer und direktvertreibende Bauern zusammenzubringen, gibt es die Plattform milchautomaten-direktvermarkter.de. Hier sind neben Milchtankstellen auch traditionellere Bauern aufgeführt, die ihre Milch mit Kundenkontakt gleich am Hof verkaufen. Derzeit zählt die Übersicht rund 250 Einträge – und sie soll wachsen. Wer selbst Milch vertreibt oder einen passenden Milchbauern kennt, kann den Hof kostenlos eintragen lassen.

Aber bitte nose to tail!

Nose to tail

Ob Fleischesser oder Veggie – bei den GREEN CHEFS ist jeder willkommen, auch wenn sich die beiden Parteien nicht ganz einig sind, wenn es um die ethische Verantwortung beim Verzehr von Tieren geht. Die Vorsitzende von Slowfood Deutschland, Ursula Hudson, findet: „Die Tötungsfrage muss jeder für sich selbst beantworten. Aber hat man die mal weggenommen, denke ich, dass man Fleisch essen kann. Allerdings sollte es dann sehr, sehr wenig Fleisch von gewissenhaften Landwirten sein.“ Dem schließen wir uns an und fügen dem gewissenhaften Landwirt, der für artgerechte Tierhaltung sorgt, noch einen gewissenhaften Metzger hinzu.

Unsere Meinung: Fleisch? Klar, wenn Du magst. Aber bitte nose to tail!

Nose to tail – absolut logisch

Nose to tailEs ist ein uraltes Prinzip, mitunter entstanden in Zeiten der Not. Man war schlichtweg darauf angewiesen, aus wenig möglichst viel zu machen und aß daher alles vom Tier – von der Nase bis zum Schwanz eben. Schon aus rein wirtschaftlicher Sicht ist die Vollverwertung von Tieren daher nur sinnvoll. Darüber hinaus zollt die vollständige Verarbeitung dem Tier aber auch Respekt. ‘It’s not polite to not eat it all’, sagt der Londoner Koch Fergus Henderson, der mit seinem Buch” From Nose to Tail“ die moderne Vollverwertung wohl maßgeblich mitbegründet hat. Recht hat er! Schließlich soll ein Tier nicht für die Mülltonne sterben, oder?

Vollverwertung bei Koch und Metzger

Gute Köche wissen auch aus den bei Gästen oft ungeliebten Teilen vom Tier  kreative Gerichte zu kochen. So stellen viele unserer GREEN CHEFS Partner, wie Matthias Gfrörer oder Musa Vincenzo, zum Beispiel ihr Händchen für die Zubereitung von Innereien unter Beweis. Oft muss man aber schon bei der Auswahl des Lieferanten ansetzen: Ein gewissenhafter Schlachter oder Metzger verfolgt das Prinzip von Nose to Tail ebenso wie der Gastronom selbst. Mit den richtigen Rezepturen kommen im Schlachtbetrieb sogar Schwarte, Knochen und Blut vom Tier zum Einsatz – für Wurstspezialitäten, Sülze oder Fonds. Voll lecker, voll verwertet.

From Nose to Tail:  Ein altes Prinzip, das unlängst wieder Einzug findet in die moderne Gastronomie – und in die Küchen der GREEN CHEFS.

Wer mehr zur Vollverwertung beim Metzger wissen möchte: Für das Magazin Ökolandbau
hat der Metzgermeister Hermann Jakob gezeigt, was alles mit Tierprodukten machbar ist. Zum Artikel geht’s hier entlang.

Biokiste für die Gastronomie

Biokiste für die Gastronomie

Biokiste für die GastronomieDie Auswahl der Lebensmittellieferanten spielt eine entscheidende Rolle, um die eigene Küche nachhaltig im Sinne der GREEN CHEFS Ideale zu gestalten. Für Privathaushalte bieten Biokisten schon seit Langem die Möglichkeit, frische Bio-Ware bis an die Haustür geliefert zu bekommen. Doch Biokistenanbieter haben erkannt: Auch bei größeren Abnehmern ist der Bedarf da. Gerade für kleinere Betriebe der Außer-Haus-Verpflegung, die ihre Küche Richtung Bio lenken wollen, ist ein solcher Lieferservice eine gute Wahl. Denn viele Biokistenanbieter liefern nicht mehr nur Produkte aus eigenem Anbau, sondern haben sich ein Netzwerk aus Bio-Lieferanten aufgebaut. Der Vorteil für den biowilligen Gastronom liegt auf der Hand: Zeitersparnis. Schließlich kümmert sich der Biokistenbetreiber um die Suche nach Direktvermarktern und bündelt so ein breites Sortiment im eigenen Lieferservice.

Anbieter packen auch größere Kisten

Für viele Küchen von Kindergärten, Schulen und Kitas ist die tägliche Lieferung der Biokiste schon Normalität. Nur einige Beispiele: Die „Tagwerk Ökokiste“ beliefert rund 150 Vorschuleinrichtungen im Münchener Raum, die „Werkhof Service GmbH“ versorgt gut 100 Kitas und Schulen im Ruhrgebiet, und im Raum Hamburg zählt die „Bohlsener Mühle“ etwa 100 Küchen der Außer-Haus-Verpflegung zu ihren Kunden.
Die Lieferbetriebe sind dafür gewappnet, auch Kisten für größere Kunden zu packen – warum also nicht im eigenen Gastronomiebetrieb mal eine Biokiste ausprobieren? Sicher, den direkten Kontakt, bei dem ich dem Gemüsebauer persönlich die Hand schüttele, kann die Biokiste nicht ersetzen. Doch viele Biokistenbetreiber sind um Transparenz über ihre Philosophie und ihre Bezugsquellen bemüht – so kann für den Gastronomen als Endabnehmer dann doch eine möglichst große Nähe zum Hersteller entstehen.

Bei Bio-Lieferbedarf also einfach mal beim Biokistenbetreiber in der Umgebung erkundigen. Eine Übersicht über einige Betreiber in Deutschland gibt´s zum Beispiel auf www.oekokiste.de.

Der Fischratgeber – eine App für den Fischkauf

App für den Fischkauf: WWF Fischratgeber

Gelegentlich wundert man sich ja, dass überhaupt noch ein Fisch in den Gewässern dieser Welt schwimmt – das Thema Überfischung kommt schließlich immer wieder auf und ist ein ständiges Problem. Weltweit sind fast 30 Prozent aller Fischbestände von Überfischung bedroht, über 60 Prozent werden bis zum Maximum befischt. Dazu kommt all der Beifang, der ungewollt in den Netzen landet und dem auch säugende Meereskumpanen wie Hai, Seevogel und Schildkröte zum Opfer fallen. Wer würde sich da als Meeresbewohner nicht mal lieber schnell von dannen machen?

App für den Fischkauf: WWF FischratgeberDoch das können sie nun mal nicht. Also sind wir als Konsumenten an der Reihe: Respekt zeigen ist angesagt. Wir müssen Fisch und Meeresfrüchte nicht gleich von der Speisekarte verbannen, doch bewusster Genuss und durchdachter Einkauf führen auf die richtige Route. Gerade im Einkauf erfordert das natürlich etwas Zeit, schließlich muss man sich mit dem Produkt auseinandersetzen: Welchen Fisch kann ich kaufen? Wo sollte der Fisch herkommen? Wie treffe ich meine Wahl?

Für Orientierung beim Kauf: Der WWF Fischratgeber

Der Fischratgeber als App, (c)WWF
Der Fischratgeber als App, (c)WWF

Orientierung im Dschungel von Zertifikaten, Fangmethoden und Fischarten bietet der Fischratgeber des WWF. Das Helferlein gibt´s für den Desktop, aber natürlich auch als App – Abhilfe beim Fischkauf steht damit also überall mobil bereit. Von Aal bis Zander berät der Fischratgeber, ob das Wunschprodukt eine gute Wahl ist oder nicht. Ein Ampelsystem sorgt für den schnellen Einkaufs-Überblick; wer zum Fischallwisser werden will, dem stehen Beschreibungen über den Meeresbewohner selbst, seine Bestandssituation sowie über Fang- und Zuchtmethoden und deren Ökobilanz zur Verfügung. Für einen GREEN CHEF ist der Fischratgeber eine gute Möglichkeit, um sich auch bei nur wenig verfügbarer  Zeit mit den Produkten für die eigene Fischkarte auseinanderzusetzen – und den Meeresbewohnern so Respekt zu zollen.

Eine erste Empfehlung des WWF vorab: Wer beim Kauf von Fisch und Meeresfrüchten auf die Siegel MSC (für Wildfisch), ASC, Bioland und Naturland vertraut, begibt sich schon auf eine gute Seite. Für alles weitere geht´s hier zum hier zum Fischratgeber …

Von Kuh zu Krug an der Milchtankstelle

Milchglas, Milchtankstelle

Milchglas, MilchtankstelleDer niedrige Milchpreis ist in aller Munde und schuld daran ist wohl jeder irgendwie. Als Verbraucher können wir dem entgegenwirken, indem wir dem Tiefpreisfaible trotzen und zur fairen Milch oder Bio-Milch greifen.

Für Green Chefs ist außerdem klar: Auch beim Bezug von Milch sollte Regionalität weit oben stehen, um den guten Bauern um die Ecke zu unterstützen und lange Lieferwege zu umgehen. Per Du mit der Kuh, lautet das Motto.

Milch zapfen an der Hoftankstelle

Nicht ganz so intim, aber ebenso regionalbedacht sind Milchtankstellen. Was erstmal abschreckend nach Massenproduktion klingt, ist letztlich ein Vertriebshelferlein für den Bauern.
Für die Milchtankstelle legt die Milch keine langen Wege zurück; sie kommt beinahe direkt aus dem Euter in meine Milchflasche. Bloß macht sie eben einen Zwischenstopp in der hofeigenen Zapfanlage. Aus der kann ich mir die gewünschte Menge abfüllen – der Bauer kümmert sich um Hof und Tier, die Tankstelle regelt den Milchvertrieb.

Warum also nicht ab und zu kurz Halt an der Tanke machen? Milchtankstellen gibt es bislang in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Eine komplette Liste und weitere Informationen gibt´s auf www.milchtankstellen.com.

Verpackungsmüll? Geht doch auch ohne.

Verpackungsmüll? Es geht auch ohne.

Plastik hier, Plastik da – doch Plastik ist längst nicht mehr wunderbar. Das erkennen immer mehr Menschen und verzichten bewusst auf Plastik.

Von Bulk Shopping bis Unverpacktheit

In der Einkaufswelt hat sich das „Bulk Shopping“ einen Namen gemacht. Lebensmittel werden hier in großen Behältern, den Bulk Bins, lose zum Verkauf angeboten. Der Kunde kann sich die benötigte Menge ganz einfach in mitgebrachte Behältnisse abfüllen.
Meist sind es kleine Läden, die das Prinzip des Bulk Shoppings verfolgen. Einige verschreiben sich dabei für ihr gesamtes Sortiment der „Unverpacktheit“; zum Beispiel Milena Glimbovskis „original unverpackt“ in Berlin.

Aus der Frischetheke in die eigene Box

Aber auch in großen Supermärkten bleibt verpackungsfreier Verkauf nicht unbeachtet. Das beweist Dieter Hieber, seines Zeichens Besitzer von 12 Edeka-Filialen in Baden-Württemberg.

Die moderne Frischtheke verzichtet auf VerpackungsmüllIrgendwann, in einer ruhigen Stunde auf dem Sofa, stieg ihm der Einwegverpackungswahn zu Kopfe und er beschloss: Das Plastik muss weg! Er musste einige Hürden bewältigen – vor allem die Hygienevorschriften zwangen ihn zu mehrfachem Umdenken – bevor er seine Kunden einladen konnte, sich Ware an der Frischetheke in mitgebrachte Boxen abfüllen zu lassen. Der Kunde stellt nun seine Box auf ein Tablett, ein Mitarbeiter nimmt dieses an, befüllt die Dose und reicht das Tablett mit offener Dose wieder zurück.

Die verpackungsfreie Frischetheke testet Dieter Hieber derzeit in einem seiner Märkte. Es soll der erste Schritt zur „Plastikfreiheit“ in allen zwölf Filialen sein.

Müll vermeiden als Gastronom

Gastronomen können von verschiedenen Seiten an das Thema Verpackungsmüll herangehen. Einerseits ist eine Optimierung im Einkauf möglich. Wer auf Plastikverpackungen verzichtet, hat schon viel gewonnen; wer seine Ware unverpackt kauft, setzt dem Ganzen die Krone auf!
Partner der Green Chefs setzen bei ihren Lieferungen auf wiederverwendbare Satten, um Verpackungsmüll zu sparen. Auch Einweggeschirr vermeiden sie, wann immer es geht – oder sie setzen hier auf umweltfreundliche Alternativen.

Verpackungsmüll muss nicht seinAuf der anderen Seite können Gastronomen im Restaurant in Zusammenarbeit mit den Gästen Verpackungsmüll sparen. Nicht selten füllt sich der Magen des Gastes schneller als gedacht und Reste bleiben auf dem Teller zurück. Es ist nicht nur das gute Recht des Kunden, sein bezahltes Essen mitzunehmen, sondern für den verantwortungsvollen Koch auch im Sinne der Restevermeidung wichtig und richtig, dem Gast sein Essen einzupacken. Das schreit jedoch wieder nach Einwegverpackung … Warum sich hier nicht an Herrn Hieber ein Vorbild nehmen und dem Gast nahelegen, ein Gefäß für Reste mitzubringen? Oder wie wäre es, den Gästen ihre Reste z.B. in Mehrzweckgläsern mitzugeben? Gepaart mit einem Pfandsystem entstehen dem Restaurant dadurch keine zusätzlichen Kosten. Ergo: Kunde froh, Koch froh, Umwelt froh!

Mit ein wenig Kreativität und dem überzeugten Wille eines Green Chefs kann jeder eine Menge Verpackungsmüll sparen.

Steffi Metz: „Nachhaltigkeit ist eine Lebenseinstellung“

GREEN CHEFS Partnerin Steffi Metz' Kochschule

Steffi Metz, GREEN CHEFS Partnerin der ersten Stunde, spricht im Interview mit uns über Nachhaltigkeit, Regionalität und die Rolle der Gastronomie.

Green Chefs Partner im Interview: Steffi Metz

GREEN CHEFS Partnerin Steffi MetzGreen Chefs: Ist Bio noch ein Thema oder sollte man auf Nachhaltigkeit setzen?

Steffi Metz: Der Begriff Bio wird aus meiner Sicht als Köchin derart missbraucht, dass es kaum noch relevant ist. Viel wichtiger als Bio ist es, den kleinen Bauern zu unterstützen, der seine Arbeit mit gutem Gewissen macht.

Green Chefs: Welche Rolle spielt Regionalität im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit?

Steffi Metz: Eine sehr große Rolle, denn Nachhaltigkeit kann nur in Zusammenhang mit regionalen Produkten stattfinden.

Green Chefs: Lässt sich mit Nachhaltigkeit und Regionalität das eigene Image aufbauen oder ist das mittlerweile selbstverständlich?

Steffi Metz: Ich persönlich empfinde Nachhaltigkeit und Regionalität als Lebenseinstellung. Für mich sollte das für alle Menschen normal sein – leider ist das nicht so. Viele Menschen achten nur auf den Preis und der Inhalt spielt eine Nebenrolle.

Green Chefs: Ist Regionalität der Ausweg aus dem Einerlei der Angebote?

Steffi Metz: Wir leben in einem Überangebot – das macht es den Menschen nicht unbedingt leichter, gute Produkte zu finden. Meiner Meinung nach sollte man auf Fertiggerichte generell verzichten. Man lebt damit gesünder und kann ruhigen Gewissens in den Spiegel gucken.

 Green Chefs: Welche Rolle spielt ein Koch, wenn es darum geht, Nachhaltigkeit zu vermitteln?

Steffi Metz: Ein Koch hat definitiv eine Aufklärungspflicht. Nur gibt es leider auch hier viele Köche, denen der Preis wichtiger ist. Wir als Köche haben täglich mit Lebensmitteln zu tun und wir sind die, die entscheiden, welche Lebensmittel wir einkaufen und verarbeiten. Auf dem Markt der Regionen gibt es genug Produkte, um kreativ sein zu können. Als Köche haben wir das nötige Hintergrundwissen. Und das müssen wir auch weitergeben!

 Green Chefs: Hat die Gastronomie die Verpflichtung, für gute Lebensmittel zu kämpfen?

Steffi Metz: Auf jeden Fall. Und nicht nur Gastronomen. Alle Menschen dieser Erde haben diese Pflicht.

Green Chefs: Was macht man gegen Kollegen, die Tiere aus Massentierhaltung einkaufen und nicht zur preissensiblen Gastronomie zählen?

Steffi Metz: Die bekommen einen auf den Kopp…

Fleischersatz ist keine Lösung

Fleischersatz ist keine Lösung

Massiver Fleischkonsum ist ein Problem für unsere Umwelt – das wissen wir alle. Für den Verzicht gibt es mittlerweile viele Mittel und Wege. Der Metzgermeister Michael Spahn aus Frankfurt hat es mit einem veganen Café versucht – ein Flop mit horrenden Verlusten. Aus dem Misserfolg wurde dann die Idee geboren, in seinem alten Fleischerladen ein veganes Sortiment anzubieten. Dafür setzt er auf Kreativität statt Fleischersatz.

Mit Fleischersatz läuft es nicht

Fleischersatz ist keine LösungDer Weg zur veganen Wurst führte über Rückschläge, denn auch der Versuch, den Kunden Ersatz für die bekannten Fleischklassiker anzubieten, fruchtete nicht. Zudem hagelte es Beschwerden aus der Fleischerinnung. Jetzt richtet sich sein veganes Angebot an die Omi, deren Enkel die klassische Roulade verweigert. Dafür braucht es vor allem Kreativität.

In die Blutwurst kommen so zum Beispiel schwarze Linsen und die Zwiebelmettwurst aus Reiswaffeln hat er „Hackepetra“ getauft. Mit seinen fleischfreien Würstchen möchte Spahn Vorbild für Kollegen sein und zu einem nachhaltigen Fleischkonsum animieren.

Auch viele Gastronomen und Köche stellen ihr Angebot vermehrt auf einen bewussteren Einsatz von Fleisch um und entwickeln Gerichte, die vollständig ohne tierische Produkte auskommen. Beispiel gefällig? Aus pürierten Kidney-Bohnen und geriebenen Zucchini, abgeschmeckt mit Schalotten, Senf und weiteren Gewürzen, lassen sich vegane Burger-Patties herstellen. Denn immer Fleisch auf dem Teller muss schon lange nicht mehr sein und wird von den Gästen auch nicht gefordert.

„Ja“ zu normlosen Bio-Helden!

Krumme Karotte - Ja zu normlosen Bio-Helden

Ist der Apfel nicht bunt genug? Hat die Möhre zwei Beine? Ist die Kartoffel zu eckig? Macht nix, diese Bio-Helden kommen künftig zusammen mit ihren normgerechten Kollegen in den Handel. Die Zeiten der wohlgeformten, knallfarbigen Schneewittchen-Äpfel sind somit vorbei!

Bio-Helden – in grünen Küchen selbstverständlich

Krumme Karotte - Ja zu normlosen Bio-HeldenBislang landeten etwa 40 Prozent des angebauten Gemüse und Obstes gar nicht erst im Handel. Das möchte der Lebensmittel-Discounter Penny jetzt ändern: Ab dem 25. April 2016 verkauft Penny auch ungerades Obst und Gemüse.

Für Green Chefs ist diese Einstellung längst Selbstverständlichkeit, denn sie legen ebenfalls nicht viel Wert auf Äußerlichkeiten – zumindest, was ihr Gemüse betrifft. In der grünen Küche zählen die inneren Werte, die den Geschmack auf den Teller bringen. Ob die Möhre, die dabei ihren Weg in den Salat oder in die Suppe findet, ein, zwei, oder fünf Beine hat, spielt für den Koch und seinen Gast erst mal keine Rolle – macht sich aber sehr wohl auf der Skala der Lebensmittelabfälle bemerkbar.

Mit den Bio-Helden geht Penny einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung, damit Obst und Gemüse mit Schönheitsabstrichen für den Otto-Normal-Verbraucher zu Otto-Normal-Produkten werden.

Gemeinsam können wir Tonnenweise Lebensmittel vor einem frühzeitigen Ende in der Tonne retten! Mitmachen lohnt sich für alle.